Diesmal ist alles anders – Die Existenz des Mittelstandes ist gefährdet

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Der SPIEGEL titelt in seiner Ausgabe 36/2016 „Sie sind entlassen! Wie uns Computer und Roboter die Arbeit wegnehmen – welche Berufe morgen noch sicher sind“. In der Wirtschaftswoche vom 2.9.2016 steht unter den Artikel „Unikate vom Fließband“: „Roboter, 3-D-Drucker und vernetzte Maschinen revolutionieren die industrielle Produktion. Das Einzelstück geht in Serie, das Maßgeschneiderte wird Massenware, zur Freude des Standorts.“ Wo bleibt der Mensch?

Fragt sich der Leser dieser Zeilen. Wird der noch gebraucht, wenn die Roboter kommen? In der Vergangenheit gab es schon mehre Technikrevolutionen. Erst wechselten die Menschen vom Acker in die Fabriken. Dann wurden sie dort von Maschinen verdrängt und sie gingen in den Dienstleistungssektor. Diesmal ist es anders. Bei der aktuellen Technikrevolution heißt der entscheidende Unterschied „Machine Learning“. Das heißt: Rechner können lernen, auch solche Tätigkeiten auszuführen, für die sie nicht explizit programmiert wurden. Damit nähern sich die Fähigkeiten der lernenden Computer den menschlichen an. Für Wirtschaft und Gesellschaft ergeben sich daraus weitreichende Konsequenzen. Denn Maschinen können Menschen nicht nur helfen, sondern sie zukünftig in vielen Bereichen ersetzen. Jeder Job, der vorhersehbar ist und einen großen Anteil von Routinetätigkeiten beinhaltet, wird in Zukunft ein Rechner übernehmen können. Roboter und intelligente Computer halten verstärkt Einzug in nahezu jeden Wirtschaftszweig. Dabei werden sie vor altem Niedriglohnarbeit gefährden, für die nur ein überschaubares Maß an Vorbildung und Ausbildung erforderlich ist. Technologie ist gerade dabei, kognitive Fähigkeiten zu entwickeln. Zum ersten Mal können Maschinen lernen, Probleme zu lösen. Das wird die Wirtschaft in nie dagewesener Breite treffen. Und danach gibt es keine Ausweichjobs mehr. Die Universität Oxford spricht in einer Studie von 47 Prozent Jobs, die wegfallen können.

Die kanadischen Ökonomen Paul Beaudry, David A. Green und Benjamin M. Sand veröffentlichten im März 2013 ein Paper mit dem Titel „The Great Reversal in the Demand for Skill and Cognitive Tasks“. Die Autoren stellten fest, dass in den USA die Nachfrage nach höher qualifizierten Arbeitnehmern um das Jahr 2000 herum ihren Höhepunkt erreicht hatte und seitdem rasch sinkt. Das hat zur Folge, dass Hochschulabsolventen immer stärker gezwungen sind, vergleichsweise gering qualifizierte Jobs anzutreten. Dabei verdrängen sie oftmals Arbeitnehmer ohne Hochschulabschluss.

In einigen Branchen haben die Algorithmen schon Job übernommen. Im Finanzwesen, hier beraten Algorithmen bei Anlageentscheidungen (Wealthfront, Nutmeg). Oder bei der Kundenberatung: hier telefonieren bereits Maschinen. In den Medien schreiben Schreibroboter die Meldungen. Führender Anbieter dieser Programme ist die US-Firma Narrative Science. Auch in der Medizin und in der Rechtsberatung sind Automaten im Einsatz. In der deutschen Textilindustrie sollen 51% der Stellen wegfallen (Quelle: Weltbank). Amazon setzt Roboter in der Lagerhaltung ein. Ein Wall-Street-Analyst schätzte, dass die Roboter Amazon helfen werden, die Kosten der Auftragsabwicklung um bis zu 40 Prozent zu senken.

Von dem Bedarf an manueller Arbeit im landwirtschaftlichen Bereich in den USA und Europa sollen die Roboter langfristig bis zu 40 Prozent abdecken können. Während wir noch überlegen, wie wir den Robotern begegnen, steht die nächste Technikrevolution schon in den Startlöchern: Die Blockchain. Die FAZ-Woche 34/2016 spricht von einer „Neuvermessung der Welt“ durch die Blockchain. Banken, Notare und Behörden können dichtmachen, wenn die Technologie „Blockchain“ hält, was sie verspricht. Auch klassische Unternehmensstrukturen können durch die Blockchain extrem verändert werden (t3n Magazin Nr.45). Die Existenz der Mittelschicht ist durch Roboter und Computer gefährdet schreibt der DER SPIEGEL (36/2016).

Was kann ich tun, um Jobsicherheit zu haben? Unser Tipp: Folgen Sie nicht den Hinweisen von Politikern und Großindustrie, denn Sie geraten in Denkfallen und dann irgendwann auf die Flure der zuständigen Arbeitsagentur. Svenja Hofert hat über Denkfallen einen wegweisenden Blogartikel verfasst.

Was kann man weiterhin tun? Bleiben Sie neugierig. Hören Sie nie auf zu lernen, denn in der Zukunft werden sich die Möglichkeiten schnell verändern. Lebenslanges Lernen ist sowieso unabdingbar. Der wirksamste Schutz vor dem Sturz in die Armutsfalle bietet die kontinuierliche Versorgung mit frischem Wissen. Man kann sich bspw. Kompetenzen (Softskills) aneignen, die der Computer noch nicht kann:

  1. Urteilskraft: Dinge kritisch hinterfragen. Wichtiges aus der Informationsmasse filtern. Zusammenhänge erkennen.
  2. Neues Denken: Neue Lösungen für neue Probleme finden, bspw. durch Design Thinking.
  3. Soziale Intelligenz: Angemessener Umgang mit Kollegen und Kunden.
  4. Digitale Teamfähigkeit: Virtuelle Projekte steuern und durch geschicktes Netzwerken zum Erfolg führen.
  5. Kooperationsbereitschaft: Über die eigenen Fachgrenzen hinausdenken und arbeiten.
  6. Interkulturelle Kompetenz: Erfolgreich mit Menschen aus aller Welt zusammenarbeiten.
  7. Medienkompetenz: Sicherheit im Umgang mit sozialen Medien erlangen.
  8. Visualisierung von Informationen: Visualisierung von Zusammenhängen und Storytelling.

Oder Fokussieren Sie sich auf kreative Berufe, in denen Sie Neues erschaffen. Vielleicht sollten Sie auch über ein geisteswissenschaftliches Studium nachdenken. Das ist genau das, was die meisten Arbeitgeber momentan nicht suchen. Aber es könnte Ihre Zukunft sichern.

 

 

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