Digital Leader-Shift

Die Digitalisierung zwingt Unternehmen zu umfangreiche Veränderungen. Nicht nur Geschäftsfelder und Unternehmensstrukturen werden sich verändern. Auch das Führungsverständnis muss sich diesem rasanten Wandel anpassen.

Bildquelle: Fotolia.com [Urheber: Trueffelpix]

Investitionen in Technologie sind auf dem Weg zu einem digitalen Unternehmen alleine nicht ausreichend. Um die notwendige Transformation zu planen und umzusetzen müssen auch Führungseigenschaften umgebaut werden. Wer als Führungskraft weiterhin Erfolg haben will, muss neue Methoden trainieren und kooperieren. Gefragt ist nicht mehr der Guru mit Herrschaftswissen über Prozesse und Technologien, sondern geteiltes Wissen, auf das in der Organisation sehr einfach zugegriffen werden kann. Es wird ein massiver Skill Shift bei den Führungskräften benötigt.

Die neue Führungskraft nutzt agile Methoden, Tools und andere Vorgehensweisen, die das eigenverantwortliche, kundenfokussierte Verhalten in multidiziplinären Teams fördern. Typische agile Methoden sind Scrum, Lean Development, Kanban oder Design Thinking.

Scrum

Scrum ist eine aus der Software-Entwicklung stammende Methode, bei der es darum geht, Kundenerwartungen, die sich ständig ändern, unverzüglich in die Produktentwicklung zu integrieren.

Lean Development

Lean Development ist ein ganzheitliches Konzept zur kontinuierlichen Verbesserung. Es macht zur Gewohnheit, Prozesse ständig zu hinterfragen, um Verschwendung bei der Entwicklung von Produkten zu verringern.

Kanban

Kanban ist eine Methode der Prozesssteuerung, die mit ihrer transparenten Darstellung die Selbstorganisation erleichtert und hilft, Vorlaufzeiten und unfertige Arbeiten zu reduzieren.

Design Thinking

Design Thinking ist ein iteratives Vorgehen, mit dem in interdisziplinären Teams Prototypen erstellt und ständig optimiert werden, um schnell und kreativ kundenfokussierte Lösungen zu entwickeln.

Auch mit Kollaborationsnetzwerken und Führung von verteilten Teams muss sich die neue Führungskraft beschäftigen. Die Fähigkeit Onlineplattformen wie etwas Slack und SharePoint effektiv zu nutzen ist nicht zu unterschätzen. Slack ermöglicht es, Arbeitsergebnisse in einem Webarchiv abzulegen. SharePoint ist ein Content-Management-System mit dem sich weltweit Dokumente teilen lassen. Für Projektmanagement in verteilten Teams ist beispielsweise Trello ein gute Lösung. Trello ist eine webbasierte Projektmanagementsoftware.

Mehr noch als durch agile Methoden, Tools und Prinzipien führt die neue Führungskraft durch ihr eigenes bewusstes und positives Handeln. Sie ist selbst ein Vorbild für Agilität, denkt also in Netzwerkstrukturen statt in Hierarchien. Das heißt konkret:

  • Eine agile Führungskraft setzt auf allen Hierarchieebenen die gleichen Prioritäten und hält diese auch ein.
  • Die agile Führungskraft lernt gemeinsam mit den Kollegen zu arbeiten, statt für sich und nacheinander im Prozess.
  • Das Teamergebnis zählt mehr als die Einzelleistungen – gleichzeitig wertschätzt die agile Führungskraft die Leistungen der einzelnen Teammitglieder.
  • Die agile Führungskraft kreiert kooperative, funktionsübergreifende Teams statt Silos, die um Einfluss und Ressourcen konkurrieren.
  • Die agile Führungskraft klärt Rollen und Verantwortlichkeiten.
  • Die agile Führungskraft führt mit Fragen und lässt sich vom Ideenreichtum ihrer Mitarbeiter überraschen.
  • Die agile Führungskraft stellt immer wieder das eigene Verhalten infrage und entwickelt ein agiles Mindset.
  • Die agile Führungskraft schafft einen motivierenden Rahmen für die Zusammenarbeit im Team

Für alle diese Aufgaben benötigt die agile Führungskraft andere Kompetenzen wie bisher. Als aller erstes benötigt sie emotionale Intelligenz und Empathie. Beides sind Kompetenzen der Zukunft und meinen die Fähigkeit, eigene Emotionen und die Emotionen anderer sowie die dahinterstehenden Werte wahrzunehmen und zu differenzieren, sie glaubhaft anzuerkennen, auszudrücken und zielgerichtet mit ihnen umzugehen. Anders gesagt: Sie stehen für die Kompetenz zur Beziehungspflege mit sich selbst und anderen. Diese Kompetenzen sind nicht neu, spielen aber im Zusammenhang mit der Digitalisierung eine große Rolle.

Die Schlüsselkompetenz im Digital Leadership ist Vertrauen. Der Digital Leader setzt Vertrauen erstens in seine Mitarbeiter: in ihre Kompetenzen, in ihre intrinsische Motivation, in ihre Kreativität, in ihre Sorgfalt und in ihre Bereitschaft, all dies im Sinne des Unternehmens einzusetzen, auch wenn keiner sie ständig kontrolliert.

Er vertraut zweitens auf seine eigene Bedeutung im Unternehmensgefüge, die auch jenseits von Hierarchie und Machtpositionen nicht abnimmt.

Und er vertraut drittens in die Zukunft. Darauf, dass in jeder Veränderung eine Chance, eine günstige Gelegenheit liegt. Diesen Optimismus schöpft er aus dem Glauben an seine eigene Stärke und die Stärke des Unternehmens als Solidargemeinschaft. Weitere wichtige Führungsfähigkeiten der Zukunft sind der Aufbau von Beziehungsnetzwerken, Kommunikationskompetenz und die Fähigkeit, Orientierung zu geben:

  1. Aufbau von Beziehungsnetzwerken

Mit der Digitalisierung hält die Arbeit in Netzwerken Einzug in die Unternehmen. In den Netzwerken – die manchmal auch die Unternehmensgrenzen überschreiten – kooperieren Menschen miteinander, die sich in ihren persönlichen Interessen und Eigenschaften zuweilen stark voneinander unterscheiden. Es ist Aufgabe der Führungskraft, solche Beziehungsnetzwerke aufzubauen und am Leben zu erhalten. Die Führungskraft ist dafür verantwortlich, das Verhältnis der Netzwerkmitglieder zueinander zu stärken. Sie hat die Aufgabe, ein Klima zu schaffen, in dem gegenseitiger Respekt und Anerkennung gedeihen können.

  1. Kommunikationskompetenz

Gleiches wie für die Empathie gilt für die Kommunikationskompetenz. Nur, wer kommuniziert, kann mit seinem Gegenüber die passende Beziehungsform ausloten, seine Beziehungen stärken, Freiräume für das so wichtige Teilen und gemeinsame Entwickeln von Ideen, Gedanken, Visionen und Gefühlen schaffen und seinen persönlichen Blickwinkel erweitern. Mehr denn je gilt daher: Der Führungsjob ist in erster Linie ein Kommunikationsjob. Und die digitale Kommunikation braucht noch mehr Feingefühl als die analoge. Wichtig jedoch: Eine beziehungsstärkende Kommunikation kann nicht ausschließlich digital stattfinden. Das Wir-Gefühl lässt sich zwar online transportieren, aber es entsteht offline.

  1. Die Fähigkeit, Orientierung zu geben

Durch den Einsatz digitaler Medien droht Überforderung. Die ständig anwachsende Zahl und Breite der verfügbaren Informationen sorgt dafür, dass der Fokus verloren zu gehen droht. Unter diesen Bedingungen kommt es für Führungskräfte darauf an, in einer Welt der Schnelligkeit und Unverbindlichkeit ein Stück weit Verbindlichkeit zu schaffen. Das bedeutet: Führungskräfte müssen schnell analysieren können, was das Wesentliche ist. Sie müssen in der Lage sein, Visionen zu formulieren und den Mitarbeitern Sinnangebote zu machen.

Die Digitalisierung ist nicht nur eine technologische Herausforderung. Sie stößt derzeit eine Kulturrevolution an, die das klassische Verständnis von Führung auf den Kopf stellt. Die neue Version heißt Digital Leadership – und verlangt von Managern nicht weniger als ein neues Mindset.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.