Neue Mitarbeiter braucht das Land – Welche Fähigkeiten braucht ein „Digital Leader“?

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Die Digitalisierung der Arbeitswelt bedeutet nicht nur eine technologische Herausforderung sondern auch Veränderung von Kompetenzen, Veränderung der Kultur, Veränderung der Arbeitsorganisation und Veränderung der Führung.

Dass die Veränderungen im Arbeitsprozess grundlegenden Charakter haben ist mittlerweile unbestritten. Die Führungskräfte sind aber überwiegend noch nicht auf diese Veränderungen vorbereitet.

Nur 7 Prozent der deutschen Führungskräfte sind „Digital Leader“.

Eine Umfrage von Crisp Research 2015 unter 503 Führungskräften in Deutschland hat u. a. ergeben, das 50% der Befragten die Digitalisierung für einen Medienhype halten, sich aber nach eigener Einschätzung mehrheitlich die nötigen digitalen Fähigkeiten attestierten. In dem Fall weichen Eigen- und Fremdbild stark voneinander ab. Aus den Antworten der Entscheider hat Crisp Research abgeleitet, dass nur 7 Prozent als „Digital Leader“ einzustufen sind, die also gleichzeitig das nötige Wissen über die Digitalisierung als auch die erforderlichen Managementfähigkeiten verfügen, um die richtigen Entscheidungen in einer Welt voller disruptiver Entwicklungen zu treffen.

Auch wenn es Bestrebungen gibt Führungskräfte weitgehendst abzuschaffen, wie bspw. Holacracy oder die Sociocrazy, bilden Führungskräfte eine wesentliche Voraussetzung für den Unternehmenserfolg, sowie auch für die Kompetenzentwicklung im Prozess der Arbeit.

Ein Umfrage der Zeitschrift managerSeminare unter ihrer Leserschaft ergab diese fünf Fähigkeiten, die einen „Digital Leader“ auszeichnen:

  1. Mit Komplexität umgehen
  2. Mit flachen Hierarchien, New Work und Arbeit 4.0 umgehen können
  3. Hybride Arbeitskulturen gestalten, die die On- und Offline-Welt verbinden
  4. Virtuelle Teams steuern
  5. Mit disruptivem Wandel umgehen

Für die Führungskräfte entstehen durch die Digitalisierung neue Herausforderungen, die das Akronym „VUCA“ treffend beschreibt. „VUCA“ steht für Kräfte, die im Kontext von Unternehmen wirken: Volatilität bzw. Flüchtigkeit, Ungewissheit bzw. Unsicherheit, Komplexität bzw. Vielschichtigkeit und Ambivalenz bzw. Mehrdeutigkeit. Wertet man Studien aus und verfolgt die Diskussionen in den sozialen Medien, dann heißen die Eckpfeiler der neuen Führung: Vertrauen, Vernetzung, Partizipation, Offenheit, Agilität und Machtverlust. Dies bedeutet, dass Führungskräfte grundsätzliche Richtungen vorgeben, in Szenarien denken, sich mehrere Optionen offen halten, schwache Signale frühzeitig aufnehmen, mit Lösungsansätzen experimentieren, kreative Methoden zur Produktentwicklung, wie Design Thinking nutzen, schnelle, datenbasierte Entscheidungswege suchen, mit die Leidenschaft Neues schaffen und aus Erfahrungen lernen müssen. Es gibt schon einige Methoden, die in Richtung neue Fähigkeiten für „Digital Leader“ gehen:

  1. Working Out Loud: Transparente, offene Zusammenarbeit im Netzwerk.
  2. Humble Inquiry: Durch Fragen vertrauen schaffen.
  3. Effectuation: Eigenständige Entscheidungslogik, die in Situationen der Ungewissheit eingesetzt wird.
  4. FedExDays: Veranstaltungsformat um in 24 Stunden Ideen zu entwickeln.
  5. Design Thinking: Ansatz, der zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll.

Es ist deshalb ein Paradigmenwechsel in der Führung zu erwarten. Das klassische Verständnis von Führung wird auf den Kopf gestellt. „Command and control“ ist ein Auslaufmodell. Entscheidungen von oben geraten aus der Mode, beteiligungsorientierte Entwicklungsprozesse sind auf dem Vormarsch.

Die Studie von Crisp Research hat gezeigt, das es „Digital Leader“ derzeit nicht ausreichend am Markt gibt. Aber das heißt nicht, dass wir die nicht entwickeln können. Dafür ist ein neues Mindset für Führungskräfte notwendig. Dieses Mindset könnte man mit Facilitation beschreiben. Wörtlich übersetzt bedeutet Facilitation Erleichterung, Möglichkeit oder Leichtigkeit. Gemeint ist: Gruppen werden dabei unterstützt, ihre Möglichkeiten zu entfalten. Der Facilitator selbst gibt keine Marschrichtung und keine Lösungen vor. Ebenso wie Prozess- und systemische Berater geht er davon aus: Das Wissen und die Lösung liegen im System. Facilitatoren verstehen sich als Geburtshelfer. Facilitatoren schaffen vor allem Räume für Dialoge und pflegen eine Kultur des Nichtwissens. Sie setzen auf Demut, Zuhören, hierarchiefreie Räume, Zeit für echten Kontakt, Bewusstseinsbildung und Reflexion. Grundvoraussetzung eines erfolgreichen Facilitators ist die Selbstreflexion: Wer bin ich, wie sehe ich die Welt und wie kann ich lernen, andere besser zu verstehen? Wer sich und seine Gefühle gut kennt, kann auch mit anderen fairer und respektvoller umgehen. Facilitation heißt nicht, dass die Führungskraft keine Entscheidungen mehr trifft. Facilitation bringt die Führungskraft weg vom reinen Zahlendenken, hin zu einer neuen Wahrnehmungsebene. Vom Manager zum Ermöglicher (Digital Leader).

1 Antwort
  1. eurodatatec
    eurodatatec says:

    Der Artikel ist sehr interessant! Er bietet einen guten Eindruck davon, dass die Zukunft viele Veränderungen in der Arbeitswelt mitbringen könnte. Wir müssen uns dann auf den Wandel vorbereiten und uns neuen Herausforderungen stellen.

    Antworten

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