Stressprävention: Wege aus der Ausweglosigkeit, Teil 3

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Alle reden über Stress und Burnout in der Arbeitswelt. In diesem 3-teiligen Beitrag erfahren Sie, wie Stress und Burnout entstehen und welche Strategien es dagegen gibt. In Teil 1 erfahren Sie, wie Stress und Burnout entstehen, und wie sie definiert werden:

Im 2. Teil werden Strategien und Methoden der Stressbewältigung dargestellt. Und im 3. Teil dieses Artikels wird eine Methode der Stressbewältigung vorgestellt.


Teil 3: Das Konzept der Resilienz
Krisenhafte Lebensereignisse, privat und auch beruflich bedingt, können das alltägliche Leben stark erschüttern und negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben. Stress und Burnout sind oft die Folge von krisenhaften Lebensereignissen. Über krisenhafte Lebensereignisse hinaus kann auch der Umgang mit alltäglichen Belastungen, wie angeborenen gesundheitlichen Einschränkungen oder ein negatives soziales Milieu, eine Herausforderung für die Lebensbewältigung und psychische Gesundheit sein. Die Überwindung von, und der Umgang mit, schwierigen Lebensumständen erfordern hohe persönliche Kompetenzen und Ressourcen (das ist dass, was ein Mensch zur gelingenden Lebensbewältigung braucht), die die nicht jede Person in gleichem Maße aufweisen kann.
Eine Methode zur Prävention von Stress und Burnout ist das Konzept der Resilienz.
Der Begriff Resilienz leitet sich vom englischen Wort „resilience“ ab, das widerum hat seinen Ursprung vermutlich im lateinischen „resiliro“ das „zurück-, abprallen“ und „zurückspringen“ bedeutet. Conen schreibt, der Begriff Resilienz stamme aus der Werkstoffkunde. Dort bezeichnet Resilienz die Fähigkeit, sich verformen und verbiegen zu lassen und durch die Kraft der Elastizität die ursprüngliche Form oder Position wieder einzunehmen (Conen 2011). Aktuell wird Resilienz wie folgt definiert: „Resilienz meint die psychische Widerstandsfähigkeit von Individuuen gegenüber belastender Lebensereignisse und Dauerstress.“ (Bengel u. Lyssenko 2012). Den Ursprung der Resilienzforschung kann man in den Forschungen und Studien zur Psychopathologie von Kindern beginnend in der zweiten Hälfte des 20. Jahrunderts festmachen. Als diese Studien quasi als Nebenbefund zu der Erkenntnis gelangten, dass sich ein Teil der untersuchten Kinder trotz aller Risiken und Schwierigkeiten positiv entwickelte, nahm die sogenannte Resilienzforschung ihren Anfang. Zunächst bezeichnete man diese Kinder als „unverwundbar“ (Anthony 1974). Dieser Begriff wurde später um die Bezeichnungen stressresistent und resilient (Werner & Smith) ergänzt. Danach wurden Vulnerabilität (Verletzlichkeit), Risiken und Schutzfaktoren präziser definiert.
Die Resilienzforschung hat zwei Gruppen von Faktoren ermittelt die auf die Bildung von Resilienz Einfluss haben: Belastungsfaktoren und Schutzfaktoren. Belastungsfaktoren die die Entwicklung gefährden sind Vulnerabilitäsfaktoren wie bspw. genetische Faktoren, Risikofaktoren (niedriger sozialer Status, chronische Armut, Trennung und Scheidung u.a.) und traumatische Ereignisse wie Krieg und sexueller Missbrauch. Diesen entwicklungsgefährdenden Faktoren stehen Schutzfaktoren gegenüber. Schutzfaktoren, die an der Entstehung von Resilienz maßgeblich beteiligt sind, sind Individuums bezogene Faktoren wie kognitive und soziale Kompetenzen, sowie Temperaments- und Charaktereigenschaften; Resilienz Faktoren (persönliche Zukunftsvisionen, Selbstwirksamkeits- und Kontrollüberzeugungen, gesundes Selbstvertrauen und eher hohes Selbstwertgefühl, aktive Bewältigungsmuster, Kohärenzsinn, Talente und Hobbys, Gutes im Schlechten sehen, Fähigkeit, sich (innerlich) zu distanzieren, Optimismus, hohe Sozialkompetenz (Empathie, Kooperations- und Kontaktfähigkeit, Verantwortungsübernahme), Kommunikations- und Problemlösefähigkeit sowie sicheres Bindungsverhalten).
Auch umweltbezogene Faktoren sind an der Bildung von Resilienz beteiligt (soziale Unterstützung, soziale Verantwortlichkeit und angemessene Leistungsanforderung, Natur und Spiritualität zählen bspw. dazu). Schutzfaktoren wirken entwicklungsfördernd, risikomildernd und protektiv (schützend). Ein fehlender Schutzfaktor kann als Belastungsfaktoren bezeichnet werden. Umgekehrt gilt das nicht.
Neben den empirisch belegten Risiko- und Schutzfaktoren, wurde im zweiten Schritt eine Reihe von Resilienzfaktoren definiert, die eine Person dazu befähigen, Belastungen zu überstehen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Die am besten erforschten Resilienzfaktoren sind:
1.    Kohärenzgefühl
Das Kohärenzgefühl ist ein zentraler Aspekt in der Salutogenese. Kohärenz hat drei Aspekte:
·    Die Fähigkeit, dass man die Zusammenhänge des Lebens versteht. Das Gefühl der Verstehbarkeit.
·    Die Überzeugung, dass man das eigene Leben gestalten kann. Das Gefühl der Handhabbarkeit.
·    Der Glaube, dass das Leben einen Sinn hat. Das Gefühl der Sinnhaftigkeit.
Menschen mit einem ausgeprägten Kohärenzsinn sind davon überzeugt, dass Schwierigkeiten lösbar sind. Sie glauben, dass es für alles, was passiert, einen nachvollziehbaren Grund gibt. Darüber hinaus finden diese Menschen das Leben grundsätzlich als sinnvoll. Sie sehen Probleme als Herausforderungen, die Investitionen und Engagement verdienen.
2.    Selbstwirksamkeit
Selbstwirksamkeitserwartung wird definiert als die subjektive Gewissheit, neue oder schwierige Anforderungssituationen auf Grund eigener Kompetenz bewältigen zu können. Das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung geht auf die sozialkognitive Theorie von Bandura (1944, 1994) zurück. Nach Bandura begründet sich die Selbstwirksamkeit durch den Glauben einer Person in ihre Fähigkeiten, ein bestimmtes Verhalten ausführen zu können, das für das Erzielen eines bestimmten Ergebnisses notwendig ist. Das bedeutet, wenn eine Person eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung hat, ist diese Person der Überzeugung Anforderungssituationen aus eigener Kraft bewältigen zu können.
3.    Soziale Unterstützung
Der Resilienzfaktor „Soziale Unterstützung“ ist ein Sammelbegriff für verschiedene Formen der sozialen Interaktion, die zum Ziel haben, eine der involvierten Personen zu unterstützen. Die Quantität dieser Interaktionen, also zum Beispiel Anzahl von Freundinnen und Freunden, Art der Beziehung und Häufigkeit der Kontakte, wird primär unter dem Stichwort „Soziale Netzwerke“ beforscht. Qualitativ werden unterstützende Interaktionen in die Bereiche emotionale / psychologische, praktische / instrumentelle und informationelle Unterstützung unterteilt.
4.    Salutogenese (salutogenetische Lebensführung)
Salutogenese ist die Wissenschaft von der Entstehung und Erhaltung von Gesundheit (Antonovsky 1979). Der Wortteil „Salus“ (lateinisch) bedeutet Gesundheit, der Wortteil „genese“ (griechisch) heißt wörtlich übersetzt Entstehung. Somit ist die Salutogenese als Gegenstück zur Pathogenese, welche die Entstehung von Krankheit beschreibt, zu verstehen.
Im Gesundheitsmodell der Salutogenese spielt die Art und Weise des Umgangs mit den allgegenwärtigen belastenden, gesundheitsgefährdenden Einflüssen des Lebens eine entscheidende Rolle. Dieses Modell unterscheidet biologische (z. B. Viren und Bakterien), chemische (Giftstoffe) und psychosoziale Einflüsse (z. B. Verlust geliebter Menschen, Leistungsdruck). Diese Einflüsse werden als Stressoren bezeichnet.
Die Empfindung und Bewältigung von Stress hängt mit der Bewertung einer Situation zusammen. Es ist von Bedeutung stressige Situationen einschätzen zu können und die Bewältigbarkeit zu überprüfen. Das setzt das Kennen eigener Grenzen voraus. Coping-Strategien müssen hier, je nach Anforderung der Situation, angemessen eingesetzt werden. Dadurch ist die Einbettung des Coping-Konzepts in das Resilienzkonzept zwingend notwendig.
5.    Coping
Um Stress aufzulösen, muss der Mensch Bewältigungsstrategien (Coping-Strategien) entwickeln. Der Begriff „Coping“ (Englisch) kann mit „bewältigen, überwinden, fertig werden mit“, übersetzt werde. Es gibt drei konzeptuelle Ansätze beim Coping:
1)    Psychoanalytische Theorien, die auf Freuds Abwehrmechanismen basieren,
2)    Annahme verschiedener relativ stabiler, situationsübergreifender Coping Stile,
3)    Prozessorientierte Ansätze, in denen der Einfluss von individueller Umwelt und Aspekte des Stressors ins Zentrum gerückt werden (Lazarus).
Coping ist ein Bestandteil des Resilienzkonzeptes, da Resilienz nicht als „Abwesenheit von psychischen Störungen“ verstanden werden soll, sondern als Fähigkeit, vorhandene Ressourcen und Strategien zur Bewältigung widriger Lebensumstände zu aktivieren.
Abschließend lässt sich zum Resilienzkonzept sagen, dass resiliente Menschen eine innere Stärke besitzen, die aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren resultiert. Das Resilienzkonzept ist somit ein eklektisches Modell, das aus dem Zusammenspiel verschiedener Resilienzfaktoren resultiert. Diese Faktoren können gelernt und trainiert werden.

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