Stressprävention: Wege aus der Ausweglosigkeit, Teil 1

Alle reden über Stress und Burnout in der Arbeitswelt. In diesem 3-teiligen Beitrag erfahren Sie, wie Stress und Burnout entstehen und welche Strategien es dagegen gibt. In Teil 1 erfahren Sie, wie Stress und Burnout entstehen und wie sie definiert werden. Im 2. Teil werden Strategien und Methoden der Stressbewältigung dargestellt. Und im 3. Teil dieses Artikels wird eine Methode der Stressbewältigung im Detail vorgestellt.


Teil 1: Immer Stress mit Stress und Burnout
Man fühlt sich ausgelaugt und leer, die Arbeit geht nicht mehr von der Hand. Diese ständige Müdigkeit, diese Lustlosigkeit – woran kann das liegen? Dies könnte ein Fall von Stress oder Burnout sein. Immer öfter wird man mit den Begriffen „Stress“ und „Burnout“ in den Medien, im Privaten und im beruflichen Umfeld konfrontiert. Zahlen des Bundesarbeitsministeriums belegen: Stress ist für einen Großteil von Fehlzeiten am Arbeitsplatz verantwortlich. Allein im Jahr 2012 gingen rund 61,5 Millionen Fehltage auf psychische Probleme zurück. Das ist ein wirtschaftlicher Schaden, der im Milliardenbereich liegt. Nicht nur in der Wirtschaft zeigen sich die Auswirkungen von Stress und Burnout. Das ganze soziale Umfeld des Kranken ist davon betroffen. Gibt man den Begriff „Stress“ in die Suchmaschine „Google“ ein, so erhält man 552.000.000 Treffer (28.01.2014). Gibt man den Begriff „Burnout“ ebenfalls in die Suchmaschine „Google“ ein, so erhält man 44.100.000 Treffer. Gibt man hingegen „Grippe“ ein, so erhält man lediglich 18.400.000 Treffer. Dies ist ein Indiz dafür, welche Bedeutung die Begriffe „Stress“ und „Burnout“ derzeit in unserer Gesellschaft haben.
Der Begriff „Stress“ (englisch für Druck) wurde ursprünglich in der Materialprüfung hinsichtlich Anspannung und Verzerrung von Metallen und Glas verwendet. 1936 hat der Mediziner Hans Selye den Begriff aus der Physik entlehnt. Mit dem Begriff „Stress“ bezeichnet Selye zum einen durch Stressoren hervorgerufene psychische und physiologische Reaktionen bei Tieren und Menschen, die zur Bewältigung besonderer Anforderungen befähigen, und zum anderen die dadurch entstehende körperliche und geistige Belastung (Willig 2001). Stressoren sind nach Selye interne oder externe Ereignisse, die Stress erzeugen. Die Reaktion auf Stressoren wurde von Selye als das „allgemeine Adaptionssyndrom“ bezeichnet. Dieses Adaptionssyndrom umfasst drei Phasen (Zimbardo/Gerrig 2004):
1.    Alarmreaktion
Direkt nach der Stressoreneinwirkung kommt es zu einem Schockstadium mit einem Ausfall von vielen physiologischen Parametern.
2.    Widerstandsphase
Der Körper zieht bei wiederholter Stresseinwirkung oder aber anhaltender Einwirkung sämtliche Register, um die Stressreaktion zu überwinden (psychophysische Anpassung).
3.    Erschöpfungsphase
Der Organismus dekompensiert. Das heißt, die Ausgleichsfunktionen des Körpers, die während der Alarmreaktion aufgebaut worden sind, fallen weg. Dabei sinkt die Immunfunktion und es treten organische Beeinträchtigungen auf.
Hans Selye unterscheidet zwei Arten von Stress: positiver Stress, den er als Eustress bezeichnet und negativer Stress, den er als Distress bezeichnet.
Eustress ist die Bezeichnung für diejenigen Stressoren, die den Organismus positiv beeinflussen. Ein grundsätzliches Stress- bzw. Erregungspotenzial ist für das Überleben eines Organismus unabdingbar. Eustress erhöht die Aufmerksamkeit und fördert die maximale Leistungsfähigkeit des Körpers, ohne ihm zu schaden. Im Gegensatz zum Distress wirkt sich Eustress auch bei häufigem, langfristigem Auftreten positiv auf die psychische oder physische Funktionsfähigkeit eines Organismus aus (Willig 2001).
Negativ sind diejenigen Reize, die als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd gewertet werden. Stress wird erst dann negativ interpretiert, wenn er häufig auftritt und kein körperlicher Ausgleich erfolgt. Ebenso können negative Auswirkungen auftreten, wenn die unter Stress leidende Person durch ihre Interpretation der Reize keine Möglichkeit zur Bewältigung der Situation sieht (Klausur, Wettkampf o.a.). In diesem Fall kann Distress durch die Vermittlung geeigneter Copingstrategien (Bewältigungsstrategien) verhindert werden. Distress führt zu einer stark erhöhten Anspannung des Körpers (Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter und Hormone, z.B. Adrenalin und Noradrenalin). Auf Dauer führt dies zu einer Abnahme der Aufmerksamkeit und der Leistungsfähigkeit. Bei einer Langzeitwirkung von Distress sowie fehlenden Copingstrategien kann es zu einem Burnout-Syndrom kommen (Willig 2001).
Der Begriff „Burnout“ wurde 1974 von dem Psychoanalytiker Herbert Freudenberger erstmals verwendet. „Helfende Berufe“ (Ärzte, Pflegeberufe, Rettungsdienstpersonal, Lehrer, Sozialarbeiter, Erzieher) fielen Freudenberger durch besonders häufige Krankschreibung, Arbeitsunfähigkeit oder Frühverrentung auf. Ursache war eine besonders hohe Arbeitsbelastung, gepaart mit einem besonders hohen persönlichen Engagement, beides führte zum „Ausbrennen“ (Burisch 1994).
Der Brockhaus schreibt „Burnout ist ein Syndrom mit den Hauptsymptomen emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und verminderte Leistungsfähigkeit. Burnout ist Resultat eines Prozesses, bei dem Arbeitsbelastungen, Stress und psychische Anpassung miteinander einhergehen. Das Syndrom entwickelt sich langsam unter andauerndem Stressoren-Einfluss und Energieeinsatz. Bei der Entstehung des Burnouts spielen auch Persönlichkeitsmerkmale (z. B. Streben nach Perfektion oder Hochleistungen) eine Rolle; es fehlt die subjektive Wahrnehmung der Möglichkeiten, die Situation zu verändern (Brockhaus 2014). Die Autoren Zimbardo und Gerrig bezeichnen Burnout als ein Syndrom emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und vermindertem persönlichen Engagements das oft von Menschen erlebt wird, die im Beruf mit viel Stress arbeiten (Zimbardo / Gerrig, 2004).
Für Führungskräfte und Organisationen ist es wichtig, frühzeitig ein sich anbahnenden Burnout zu erkennen, um rechtzeitig Interventionsmaßnahmen ergreifen zu können. Durch rechtzeitige Interventionsmaßnahmen wird die Demotivation bei Mitarbeitern und die daraus resultierenden Fehlzeiten abgemildert bzw. verhindert. Der Arbeitgeber darf ferner nicht tatenlos zusehen, wie der „Prozess vom Stress zum Burnout“ eine Verschlimmerung des psychischen Zustandes bei den Mitarbeitern herbeiführt. Hier greift die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Der Arbeitgeber ist gehalten, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die jeden Beschäftigten vor Gefahren für Leib, Leben und Gesundheit schützen (BGB 2014).
Dass Stress für das Verständnis des Burnout-Syndroms ein Schlüsselphänomen ist, wird von nahezu allen Stressforschern anerkannt. Durch Fragen lassen sich die Symptome für Burnout spezifizieren. Die Bejahung der Fragen: „Fühlen Sie sich durch ihre Arbeit emotional erschöpft?“ und „Haben Sie das Gefühl, dass Sie an ihrem Arbeitsplatz zu hart arbeiten?“, lassen auf „emotionale Erschöpfung“ schließen. Auf „Depersonalisation“ weißt die positive Beantwortung der Frage: „Sind Sie, seit Sie diese Arbeit ausüben, gefühlloser im Umgang mit anderen Menschen geworden?“ hin. Behauptet jemand: „Am Ende eines Arbeitstages fühle ich mich verbraucht“, deutet dies auf „reduzierte Leistungsfähigkeit“, hin (Burisch 1994).
Des Weiteren gibt es klare Indizien (Burisch 1994), das sich jemand auf dem Weg vom einer gestressten Person zu einer burnoutgefährdeten Person befindet:
1. Warnsymptome der Anfangsphase
–    vermehrtes Engagement für Ziele des Unternehmens (z.B. Hyperaktivität, freiwillige unbezahlte Mehrarbeit),
–    Erschöpfung (z.B. chronische Müdigkeit).
2. Reduziertes Engagement
–    für Klienten und Patienten (z.B. Desillusionierung, größere Distanz),
–    für andere Personen allgemein (z.B. Verlust der Empathie, folglich des Einfühlungsvermögens),
–    für die Arbeit (z.B. Fehlzeiten).
3. Emotionale Reaktionen
–    in Form von Depressionen (z.B. Schuldgefühle, Selbstmitleid),
–    in Form von Aggressionen (z.B. Ungeduld, Launenhaftigkeit).
4. Abbau
–    der kognitiven Leistungsfähigkeit (z.B. Konzentrationsschwäche),
–    der Motivation (z.B. Dienst nach Vorschrift),
–    der Kreativität (z.B. verringerte Phantasie).
5. Verflachung
–    des emotionalen Lebens (z.B. Gleichgültigkeit),
–    des sozialen Lebens (z.B. Einsamkeit),
–    des geistigen Lebens (z.B. Desinteresse).
6. Psychosomatische Reaktionen
–    in Form von Schlafstörungen, Atembeschwerden etc.
7. Verzweiflung
–    Gefühle der Hilflosigkeit etc.
Alles dies weißt darauf hin, dass Burnout nicht nur der Langzeitwirkung von Distress und fehlender Copingstrategie bedingt, sondern das auch „das Feuer der Begeisterung“ gebrannt haben muss, d.h., die Übermotivation muss dagewesen sein.

Im zweiten Teil geht es um Strategien für die Stressbewältigung. Dranbleiben!

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