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Changemanagement und Transformation ist nicht dasselbe

Veränderungen werden immer mehr zur Gewohnheit. Veränderungen sind das neue Normal. Spricht man von Veränderung, gilt es aber zu differenzieren, worum es genau geht. Entscheidend ist dabei die Differenzierung zweier Begriffe, die immer wieder synonym für Veränderungen verwendet werden: Change und Transformation.

Klassische Change Projekte sind eine gut planbare Reise von A nach B, von einem suboptimalen Ausgangspunkt hin zu einem klar definierten Zielzustand. Dabei geht es in der Regel um Verbesserung, also darum, Missstände wie zu unflexible Prozesse, steigende Kosten oder zu hohe Krankenquoten zu beheben. Es geht darum, das Bekannte besser zu machen.

Transformation dagegen ist eine Reise ins Ungewisse. Bei der Transformation geht es um die Zukunft, um die Gestaltung des Neuen. Und das soll nicht einfach schneller oder billiger sein als das Alte (Change) – sondern gänzlich anders. Deshalb kann dieser neue Zustand nicht mit den Mitteln der Vergangenheit entworfen oder gar geplant werden. Auch Zwischenziele lassen sich spärlich ableiten, der zu beschreitende Weg kann sich ständig ändern, Ursache und Wirkung sind dabei häufig nicht erkennbar. Gleichzeitig haben die Veränderungen große Auswirkungen – meist auf die ganze Organisation. Dieser Unterschied hat Folgen für den Umgang mit Veränderung: Change lässt sich als kontrolliertes Projekt mit klassischen Tools „abarbeiten” – von der Projektplanung über die Kommunikation bis zur Dokumentation. Zum Beispiel die Einführung einer neuen Software: Das Ziel ist, dass alle im Unternehmen das neue Programm erfolgreich benutzen und dadurch effizienter werden. Damit das gelingt, müssen sie fit gemacht, ihre Vorbehalte müssen ausgeräumt und die technischen Voraussetzungen geschaffen werden.

Eine strukturierte Herangehensweise wie bei Change kann es bei Transformationsvorhaben an sich nicht geben. Lautet die Aufgabenstellung beispielsweise „Wir lernen, mit einem neuen Virus zu leben”, gibt es keine allgemeingültigen Ansagen, was genau zu tun ist. Keiner kann ganz genau sagen, wie das Ergebnis aussehen wird und schon gar nicht, ob oder wann die Aufgabe jemals fertig sein wird.

Es ist ein Unterschied, ob man jemand an einen Ort begleitet, zu dem ausgeschilderte Wege führen (Change) – oder ob man einer Person oder Organisation auf einer Reise ins Unbekannte (Transformation) zur Seite steht. Um die optimale Lösung für ein Problem zu finden, sollte man sauber den Unterschied zwischen beiden Konzepten kennen. Drei Fragen helfen den Unterschied zu finden:

  1. Geht es um die Gestaltung eines Prozesses (Change) oder um die Suche nach neuen Lösungen (Transformation)?
  2. Brauchen wir Erfahrungswerte (Change) oder Experimente (Transformation), die zu neuen Erkenntnissen führen?
  3. Auf wen zielt die Maßnahme: Muss das einzelne Individuum fit gemacht werden (Change), oder muss sich das Unternehmen als Ganzes weiterentwickeln (Transformation)?

Change und Transformation unterscheiden sich in ihren Merkmalen.

  CHANGE TRANSFORMATION
Anlass Mängel in der Vergangenheit Herausforderungen in der Zukunft
Ziel Verbesserung des Bekannten Annäherung an eine Vision
Weg Fehlerbehebung, Effizienzsteigerung Vorwegnehmen der „neuen Welt“
Dauer Zu Beginn weitgehend festgelegt Unbestimmt; möglicherweise unendlich
Planung Statisch Dynamisch
Vorgehen Top-down Kollaborativ über alle Ebenen
Aufgabe der Führungskräfte Erklären und überzeugen Ermutigen und auffangen
Hilfsmittel Tools und Methoden aus Change- und Projektmanagement Kreativität, Experimentierfreude; Agilität: auch Changemanagement-Methoden
Beispiel Merger von zwei Abteilungen; Einführung eines neuen Abrechnungssystems Agilisierung einer Organisation; Erneuerung des Geschäftsmodells; Aufbau von Innovationsfähigkeit
Unterschiedsmerkmale: Transformation versus Change

Führungskräften kommt bei beiden Methoden eine entscheidende Rolle als Reisebegleitung zu. Allerdings unterscheiden sich die Aufgaben, die sie dabei übernehmen, deutlich, je nachdem, wie die drei Unterschiedsfragen beantwortet werden: Im Change sind sie vor allem als Macher gefordert, die dafür sorgen, dass alle verstehen, warum die Veränderung auch für sie notwendig ist, damit sie zum Beispiel motiviert ins passende Seminar gehen. In der Transformation dagegen sollen Führungskräfte zu Ermöglichern und Vernetzern werden, die ihren Teams Mut machen, sich gemeinsam entschlossen ins Unbekannte zu wagen. Transformation aber ist sehr viel schwerer zu managen als Change. Deshalb besteht bei Transformationsvorhaben ein anderer Trainingsbedarf als bei Change Vorhaben.

Für die Transformation trainieren

Für die Change-Begleitung brauchen sie neben einem guten Wissen über Anlass und Sinn der Veränderungsmaßnahmen vielleicht auch konkrete neue Kompetenzen oder Tools. Wenn es um die Begleitung von Transformationen geht, benötigen sie dagegen selbst Ermutigung, Beruhigung oder vielleicht auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Unsicherheit – also mehr Persönlichkeits- als Kompetenzentwicklung.

Statt vor allem Skills zu trainieren, müssen die Mitarbeitenden für die Transformation in ihrer persönlichen Entwicklung gefordert werden.

 

 

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