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Für immer Homeoffice?

2012 prognostizierte Citrix-Systems im „Workplace of the future˝-Report, dass 2020 in Deutschland 57% der Arbeitnehmer von zu Hause arbeiten würden. Büroflächen würden sich reduzieren, und die psychischen Belastungen durch pendeln würde sinken. Insgesamt würde dadurch die Work-Life-Balance verbessert.

2015 lautet der Tenor einer Bitkom-Studie: Firmen lassen Homeoffice kaum zu. Die Bitkom-Studie belegt eindeutig, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter lieber im Büro sitzen sehen, satt virtuelle Teams zu bilden. In dieser Studie wurden 1500 Geschäftsführer und Personalentscheider verschiedenster Branchen befragt. 64 % der Befragten erklärte Homeoffice sei „generell nicht vor gesehen˝. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Virtuelle Meetings über Videokonferenzen wie Skype, Zoom oder 3-D-Videokonferenzen spielen im Arbeitsalltag eine untergeordnete Rolle. Ihr Einsatzgrad lag 2015 bei acht beziehungsweise drei Prozent.

Im Januar beklagte Franz Alt auf Telepolis, dass in Schweden, Belgien und die Niederlande die Zahl derer die im Homeoffice arbeiten dreimal so hoch ist wie in Deutschland.

Und dann kam der Lock-Down und es hieß Küchentisch statt Großraum und Video statt Flieger. Corona veränderte das Arbeitsleben gründlich. Corona zwingt Büroarbeiter in ein unfreiwilliges und aufsehenerregendes Großprojekt. Millionen von Menschen arbeiten von zu Hause aus und sitzen in ihren Arbeitszimmern, am Küchentisch, im Abstellraum oder Keller, um ihrer Arbeit nachzugehen. Kollegen, Führungskräfte, Kunden oder Geschäftspartner sehen sie nur auf dem Bildschirm oder hören sie am Telefon.

Beim Arbeiten aus der Ferne, handelt es sich um eine kleine Revolution, denn dadurch verliert die Arbeit ihre ehemals enge Bindung an den physischen Arbeitsplatz, etwa in Form des Firmengebäudes oder des eigenen Schreibtisches. Die Arbeit wandelt sich stattdessen hin zu einem Zustand, der ortsunabhängig durchgeführt werden kann.

Remote Work ist der Oberbegriff

Für immer zuhause, oder was ist der richtige Arbeitsplatz? Homeoffice ist nicht die einzige Art der Abwesenheit vom Büroarbeitsplatz, sondern nur eine Variante davon. Arbeiten aus dem Homeoffice, Telearbeit (Jon Messenger 2019), Coworking, Arbeits- und Wohnprojekte auf dem Land (https://www.kreativorte-brandenburg.de/), Homeoffice im Hotel (https://www.lindner.de/entdecken/hotel-office.html) sowie „Digitale Nomaden˝(https://de.wikipedia.org/wiki/Digitaler_Nomade) sind Begriffe die man findet, wenn man in der Literatur nach Arbeitsformen sucht, die die Büroarbeit abseits vom Büro beschreiben.

Wir meinen: Remote Work ist dafür der geeignete Oberbegriff.

Remote Work bedeutet eine beinahe utopische Veränderung der Unternehmenskultur, wenn alte Arbeitsphilosophien tiefe Gräben zwischen Angestellten und Führungsebenen gegraben haben. Bis vor Kurzem war Büroarbeit in den meisten Unternehmen in der Regel die klassische Nine-to-Five-Präsenz am Schreibtisch im Büro. Ein über viele Jahrzehnte gleichbleibendes Modell. Das ändert sich nun.

Nicht jeder Mitarbeiter kommt mit der neuen Situation gut zurecht. Die einen schwärmen von der Freiheit im Homeoffice, die anderen sind von der großen Eigenverantwortung überfordert. Man darf diesen Zustand nicht übersehen. Deshalb muss die Betreuung durch die Führungskraft hier sehr individuell sein.

Der Leitsatz für Führung aus der Ferne: Mehr Eigenverantwortung und Vertrauen, weniger Mikromanagement. Das macht die Führungsarbeit effektiver.

Wie kann Remote Work auf Dauer gelingen?

Eins ist dabei ganz klar: Eine Herangehensweise an Remote Work erfordert nicht nur technische Veränderungen. Vielmehr muss dieser kulturelle Wandel auch innerhalb der jeweiligen Unternehmenskultur anerkannt und berücksichtigt werden.

Des Weiteren ist bei Remote Work eine deutliche Abgrenzung von Beruflichem und Privatem seitens der Mitarbeitenden und die Akzeptanz dieser Grenzen seitens der Arbeitgebenden unabdingbar.

Deshalb muss sich die bisherige Arbeits- und Kontroll-Beziehung zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden verändern. Nur mit einer beidseitigen Feedbackkultur und flacheren Hierarchien kann das funktionieren.

Zukünftig könnten mehr Unternehmen Remote Work als neue Chance für Innovation und Personalmanagement betrachten – nicht als Ersatzlösung, sondern als flexible Zusatzmöglichkeit.

Vertrauen ist das Band, das alles zusammenhält

Konzerne wollen viele Angestellte auch nach der Krise aus der Ferne arbeiten lassen. Fast jeder dritte Schreibtisch in den Unternehmen könnte wegfallen (Welt am Sonntag 31.05.20).

In ein paar Jahren werden Unternehmen ohne mobiles Arbeiten anzubieten, keine guten Mitarbeiter mehr bekommen und auch keine mehr halten können. In erster Linie muss das Unternehmen begreifen, dass Mitarbeiter keine Ressource sind, sondern Menschen.

Festzuhalten gilt, um Remote Work zu etablieren sind nachfolgende Punkte essentiell:

  • Individuelle Strategien, um Remote Work klar vom Privatleben abzugrenzen, sind unverzichtbar, bspw. Störfaktoren eliminieren,
  • Remote Work betont die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeitenden, bezüglich Arbeitsleistung, (An- und Abwesenheiten kommunizieren, regelmäßige Pausen machen),
  • Führungskräfte können ihre Beschäftigten im Homeoffice nicht auf traditionelle Weise führen, daher müssen Sie klare Ziele definieren,
  • Meeting-Regeln helfen dabei, das Treffen effizient und effektiv zugleich zu halten,
  • Die richtige Kommunikations-Balance finden. Die Balance zwischen synchroner und asynchroner Kommunikation ist essentiell für eine gute Zusammenarbeit Aller,
  • In die Kommunikations- und Feedbackkultur investieren. Wie auch bei der direkten Kommunikation im Büro sollten alle Mitarbeitenden darauf achten, dass die Kommunikation auch im Homeoffice immer wertschätzend, konstruktiv und respektvoll bleibt,
  • Besonders für Führungskräfte gilt: Akzeptanz statt Misstrauen und Ablehnung,
  • Führungskräfte, Remote Worker und ihre Kollegen müssen einander vertrauen. Ohne Vertrauen kann Remote Work nicht effektiv sein. Vertrauen ist das Band, das Remote Work zusammenhält.

Der kulturelle Wandel, der sich in der Arbeitswelt vollzieht, lässt sich weder ignorieren noch aufhalten. Zeigen Sie sich aufgeschlossen für Neues und prüfen Sie die Möglichkeiten und vor allem, bleiben Sie neugierig. Remote Work bedeutet, arbeiten mit weniger physischen Kontakt aber mit mehr Vertrauen und damit mehr Sinn. Wir müssen jetzt Remote Work nutzen und willkommen heißen, denn es ist der Augenblick des möglichen Fortschritts.

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