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Wo bleibt als Folge von Corona die Pleitewelle von Unternehmen?

Im August 2020 lag die Zahl der Unternehmenskonkurse in Deutschland trotz Corona 28 Prozent unter der Zahl vom Vorjahr (Quelle: IWH Halle 2020). Man muss davon ausgehen, dass sich derzeit viele konkursgefährdete Unternehmen nur dank Unterstützung der Bundesregierung (Aussetzung der Insolvenzanmeldung und Bazooka-Geld) über Wasser halten. Zum einen ist das gut und zum anderen werden dadurch unproduktive Unternehmen ohne gutes Geschäftsmodell künstlich beatmet und am Leben gehalten. In der Debatte um die Coronakrise ist dafür der Begriff der „Zombifizierung“ der Wirtschaft aufgetaucht. Die Zahl der Zombies hat sich in Deutschland von vier Prozent, Mitte der Achtzigerjahre, auf aktuell rund 15 Prozent fast vervierfacht (Quelle: BIZ Basel 2020).

Begriffsklärung

Es ist immer wichtig, sauber mit Begriffen umzugehen. „Echte” Zombies sind unrentable und überschuldete Unternehmen, die sich durch die lockere Geld- und Zinspolitik der vergangenen Zeit refinanzieren und so überlebt haben. Sie sind weniger produktiv und innovativ und stehen leistungsfähigen Unternehmen und Start-ups im Weg. Zombies verhindern Weiterentwicklungen, binden Kapital und Personal in maroden Strukturen.

Zombies sind Spreader

Zombies sind Spreader, die durch ihr unternehmerisches Handeln ihre Geschäftspartner, Lieferanten und Kreditgeber infizieren können. Die Infizierung von Geschäftspartnern, Lieferanten und Kreditgebern kann beispielsweise durch ruinöse Preiskämpfe oder dadurch, dass Rechnungen gar nicht oder zu spät bezahlt werden geschehen. Das kann bei diesen zu Anschlussinsolvenzen führen. Die staatlichen Eingriffe verkehren viele Tugenden der guten Unternehmensführung ins Gegenteil. Sie laden Manager ein, ihren Schuldendienst durch frisches Steuergeld zu leisten, an falschen Geschäftsmodellen und schwachen Produkten festzuhalten, Innovation zu vernachlässigen und überhöhte Risiken einzugehen. Eine langfristige Erhaltung der Zombie-Firmen schadet am Ende mehr als sie nützt und richtet großen volkswirtschaftlichen Schaden an. Corona bringt die Schwachstellen der Zombie-Firmen gerade ans Tageslicht: Die Industrie insgesamt, die Automobilbranche, der Maschinenbau oder der stationäre Einzelhandel haben Probleme, die weit vor der Epidemie entstanden sind.

Was ist zu tun?

Was immer hilft, ist unternehmerische Eigenverantwortung. Das bedeutet, sich nicht nur auf die staatliche Rettung zu verlassen, sondern die eigene Finanzierung zu überdenken und mehr auf Eigenkapitalstärke zu setzen. Auch die Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells ist ein wesentlicher Punkt. Zombies müssten längst mit der strukturellen Weiterentwicklung beschäftigt sein, anstatt von der Substanz vergangener Jahre zu zehren und eingerostete Strukturen zu konservieren.

Wir müssen nicht überlebensfähige Geschäftsmodelle aussortieren und die im Kern Gesunden gezielt fördern. Zombie-Firmen schaden der gesamten Wirtschaft, denn sie schaffen eine künstliche Verschärfung der Wettbewerbssituation. Gesunde Firmen müssen dadurch ihre Produkte günstiger anbieten, was sich negativ auf deren Umsatz- und Gewinnentwicklung auswirkt.

Sollte die Zahl der Untoten dauerhaft steigen, wird uns das Thema noch lange nach Corona verfolgen. Je länger sie am Markt agieren können, desto höher sind die möglichen Verluste, die sie bei anderen Marktteilnehmern verursachen.

Weg mit den Zombiefirmen!

Wenn die Ertragserosion, fehlende Innovationen und die Insolvenzen der Zombieunternehmen zunehmen, dann wird dies zu einer Abwärtsspirale führen. Am Ende werden alle Zombieunternehmen bankrottgehen und wahrscheinlich auch einige gesunde Unternehmen in die Pleite schicken, da sie in diesem Strudel mitgerissen werden.

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