Lean Design Sprint – Das beste aus zwei Methoden

27.02.22

Experimentieren mit Verstand

Haben Sie sich jemals gefragt, wie Sie Ihr Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen können? Wie Sie innovative Ideen entwickeln und umsetzen können, um sich von der Konkurrenz abzuheben? Die Antwort liegt im Lean Design Sprint! In meinem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie mithilfe dieser systematischen Methode Ihr Business revolutionieren können. Ich biete Ihnen einen Einblick in den Ablauf eines Lean Design Sprints und geben Ihnen praktische Tipps für eine erfolgreiche Umsetzung.

Einleitung

Angesichts des wachsenden Innovationstempos versuchen viele Unternehmen, die Agilität ihrer Innovationsprozesse zu erhöhen. Dabei sollten sie insbesondere auf Transformation statt auf Changemanagement und auf Design Thinking oder den Lean-Startup-Ansatz statt den üblichen Changemanagement-Methoden-Flickenteppich setzen.

Bei der Recherche zu einem Blog ist mir eine gewisse Komplementarität zwischen Design Thinking und Lean Startup aufgefallen.

Die Komplementarität von Design Thinking und Lean Startup hat mehrere wichtige Implikationen. Die agile Methode Design Thinking unterstützt die pragmatische Methode Lean Startup. Design Thinking und Lean Startup teilen den Fokus auf Nutzerbedürfnisse, schnelle Entwicklung und iteratives Experimentieren. Messen-Bauen-Lernen ist bei Lean Startup ein Kreislauf mit wenigen Daten, der durch KVP immer weiter optimiert wird. Auf dieser Grundlage habe ich die folgende Untersuchung durchgeführt.

Die Untersuchung

Zunächst wurden Design Thinking und Lean Startup mit dem Ziel analysiert, Potenziale zu identifizieren, die durch die Verschmelzung oder Anpassung bestimmter Teile oder Aspekte erreicht werden können.

Die relevante Literatur für beide Strategien ist Plattner, Meinel und Weinberg (2009), Maurya (2013), Ries (2014), Blank und Dorf (2014), Uebernickel et al. (2015) und Brown (2016). Die Literaturübersicht hat gezeigt, dass sich die Befürworter und Vertreter von Design Thinking und Lean Startup nicht regelmäßig gegenseitig zitieren. Sie verwenden ähnliche Methoden und Werkzeuge, haben aber unterschiedliche Namen dafür entwickelt. Hier liegt ein Potenzial, von der jeweils anderen Strategie zu lernen.

In einem zweiten Schritt habe ich die beiden Strategien anhand von Prozessmodellen verglichen. Diese Analyse ergab, dass es für beide Strategien kein einheitlich definiertes Prozessmodell gibt. Ferner sind die Prozessbeschreibungen oft informell und es existieren verschiedene Versionen des Prozesses durch Anpassungen und Weiterentwicklungen. In meiner Analyse habe ich das Design Thinking Prozessmodell von Plattner et al. (2009) und den „Lean Learning Cycle“ von Ries (Ries 2014) verglichen.

Diese Modelle ermöglichten einen Vergleich der beiden Strategien auf der Metaebene: Anzahl der Prozessschritte, Reihenfolge, Ausrichtung, Kennzeichnung, Häufigkeit und Ausrichtung der verschiedenen Aktivitäten konnten miteinander verglichen werden.

In beiden Prozessmodellen werden sechs Prozessschritte bzw. Phasen verwendet. Der Hauptunterschied besteht darin, dass der Design Thinking Prozess linear aufgebaut ist, während der Lean Learning Zyklus zirkulär aufgebaut ist. Dies könnte darauf hindeuten, dass Design Thinking in aufeinander folgenden Schritten durchgeführt werden sollte, während Lean Startup flexibler zu sein scheint. Im Gegensatz zum Design Thinking-Prozess, der mit der Phase „Verstehen“ beginnt, hat der Lean Learning-Zyklus keinen klaren Anfang und kein klares Ende; die zirkuläre Anordnung der Schritte legt nahe, dass sie kontinuierlich und wiederholt durchgeführt werden.

Das Ziel des Bauen-Messen-Lernen-Zyklus ist das Lernen (Ries 2014). Was gebaut wird, basiert auf einer Problem- oder Lösungshypothese. Das Testen einer Hypothese ist daher der beabsichtigte Lernschritt. Um die Hypothese zu testen, müssen geeignete Metriken definiert werden (Messschritt). Um diese Metriken zu generieren und dann die Hypothese zu testen, muss ein Experiment konstruiert werden (Konstruktionsschritt). Man könnte den Zyklus Bauen-Messen-Lernen also auch als klassischen wissenschaftlichen Hypothesen-Metrik-Experiment-Zyklus betrachten, der mit dem Lernziel (Theorie oder Hypothese) beginnt und mit einem Experiment (Prototyp) zur Überprüfung der Hypothese endet.

Vergleicht man die einzelnen Schritte der beiden Prozesse, ergeben sich einige interessante Gemeinsamkeiten: So könnte „Lernen“ im Lean Startup als „Verstehen“ oder im Design Thinking als „Sehen“ interpretiert werden.

„Bauen“ im Lean Startup könnte als „Prototyp“ im Design Thinking verstanden werden. Und „Messen“ in Lean Startup kann entweder „Beobachten“ oder „Testen“ im Design Thinking sein. Dies steht im Einklang mit der oben genannten Annahme, dass der Lean Learning-Zyklus in jedem Schritt des Prozessmodells beginnen kann.

Als Ergebnis der Analyse wurden zunächst zwölf Feststellungen getroffen:

Es gibt Ähnlichkeiten an vier Stellen

Ähnlichkeit 1: Innovation

Beide Konzepte haben das gleiche Ziel, nämlich Innovationen zu fördern. Werfe ich zunächst einen Blick auf Innovationen im Allgemeinen. Im Gegensatz zu einer Erfindung ist eine Innovation nicht nur etwas Neues, sondern erweist sich auch als wirtschaftlich tragfähig, technisch machbar und damit am Markt erfolgreich. Brown (2016) beschreibt drei Kriterien für erfolgreiche Innovationen. Demnach muss eine Idee wünschenswert, umsetzbar und notwendig sein (Kundenorientierung). Viele Organisationen konzentrieren sich zu sehr auf die letzten beiden Kriterien – sie beginnen entweder mit einer neuen technologischen Erfindung oder mit einem Geschäftsmodell, vergessen aber die Nutzerperspektive zu berücksichtigen.

Viele dieser Konzepte scheitern, weil die entwickelten Produkte kein echtes Problem der Nutzer lösen. Diese Produkte sind nicht begehrenswert – niemand benötigt oder will sie wirklich und deshalb wird sie auch niemand kaufen.

Ähnlichkeit 2: Nutzerzentrierter Ansatz

Sowohl Design Thinking als auch Lean Startup berücksichtigen die Perspektive der Nutzer und anderer Stakeholder und konzentrieren sich auf umfangreiche Nutzertests, um ihre jeweiligen Konzepte zu verbessern.

Ähnlichkeit 3: Testen von Prototypen

Beide Ansätze versuchen, Nutzerfeedback bereits in frühen Phasen des Prozesses einzuholen, um nicht viele Ressourcen zu verschwenden und etwas zu bauen, das niemand haben will. Minimale Prototypen, die für Nutzertests verwendet werden können, sind eine wesentliche Gemeinsamkeit beider Strategien.

Ähnlichkeit 4: Schnelle Iteration

Bei beiden Strategien sind die Lösung und das Problem zu Beginn ziemlich unklar. Beide Methoden arbeiten unter extremer Unsicherheit und die entwickelten Prototypen werden im Laufe des Prozesses ausgiebig iteriert. „Früh scheitern, um früher erfolgreich zu sein“ ist das Credo von Design Thinking, während Lean Startup das Konzept des „schnellen Scheiterns“ beschreibt. Beides bedeutet: Je früher man davon Kenntnis hat, dass eine Idee nicht umsetzbar ist, desto schneller kann man diese aktualisieren und erneut testen, was Zeit und Geld spart. Lean Startup betont die Bedeutung kleiner Losgrößen, um „die Geschwindigkeit zu erhöhen, mit der Startups validiertes Lernen finden“ (Ries 2014).

Es gibt acht unterschiedliche Positionen

Unterschied 1: Umfang

Während Lean Startup hauptsächlich auf Startups abzielt, sucht Design Thinking nach Innovationen im Allgemeinen (die dann in Startups umgesetzt oder anderweitig genutzt werden können).

Unterschied 2: Projektinitiierung

Bei Lean Startup steht die ursprüngliche Geschäftsidee von Anfang an fest. Sie wird dann auf ihre Validität hin überprüft und kann daher im Laufe des Projekts noch stark verändert werden. Beim Design Thinking hingegen beginnt das Projekt nicht mit einer Idee, sondern mit einer Herausforderung, was bedeutet, dass die Lösung recht mehrdeutig sein kann.

Das Problem wird erst nach einer umfassenden Phase der Nutzer- und Sekundärforschung definiert und die Ideen werden dann während des Prozesses generiert.

Unterschied 3: Nutzerforschung

Design Thinking konzentriert sich auf eine umfassende Nutzerforschung zu Beginn des Projekts. Für diesen induktiven Ansatz werden z. B. ethnografische Methoden eingesetzt. Bei Lean Startup ist der Einsatz qualitativer Forschungsmethoden jedoch weniger aufwendig. Das Projekt beginnt mit einer Produktvision der Gründer.

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Über den Autor

Dr. Stefan Bleses

Ich bin Transformationsdesigner und Gründer von Motif Transformation Institute. Als Stratege, Berater und Veränderer bin ich davon überzeugt, dass ich dazu beitragen kann, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

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