Einführung einer Transformations- und Innovationskultur in der Organisation

26.12.21

Das Schaffen und verwalten von Kultur ist für Führungkräfte wichtig

In diesem Artikel gehen wir auf die Bedeutung einer Transformations- und Innovationskultur ein und zeigen Ihnen, warum sie der Schlüssel zum Erfolg ist. Erfahren Sie, wie Unternehmen von einer Einstellung und Denkweise profitieren, die Veränderungen fördert und fordert. Wir präsentieren Ihnen Strategien und bewährte Methoden, um Transformation und Innovation in Ihrem Unternehmen zu fördern.

Definition

Transformations- und Innovationskultur sind ein Bestandteil der Unternehmenskultur. Die Transformations- und Innovationskompetenz von Mitarbeitenden kommt erst dann wirkungsvoll zur Geltung, wenn eine Unternehmenskultur Veränderungen grundsätzlich begrüßt und unterstützt.
Transformations- und Innovationskultur ist demzufolge das Arbeitsumfeld, das Unternehmen pflegen müssen, um unorthodoxes Denken und seine Anwendung zu fördern. Unternehmen, die eine Transformations- und Innovationskultur fördern, vertreten im Allgemeinen die Überzeugung, dass transformation und Innovation nicht die Aufgabe der obersten Führung ist, sondern von jedem in der Organisation ausgehen kann.
Im heutigen Geschäftsklima sind Transformation und Innovation mehr als nur Schlagwörter. Sie sind eine Notwendigkeit für Unternehmen, die wettbewerbsfähig bleiben wollen. In einem Bericht von McKinsey vom Juni 2020 zum Thema „Innovation in der Krise“ wurde festgestellt, dass 90 % der Führungskräfte glauben, dass die COVID-19-Krise ihre Geschäftstätigkeit in den nächsten fünf Jahren grundlegend verändern wird. Dennoch gaben nur 21 % an, dass sie über das Know-how, das Engagement und die Ressourcen verfügen, um die notwendigen Veränderungen herbeizuführen.

Tipps für die Schaffung einer Transformations- und Innovationskultur

Tipp 1: Die Basis der Kultur: Strategische Klarheit

Es muss klar definiert sein, welche Innovationsstrategie das Unternehmen verfolgt. Davon wird abgeleitet, was von der Organisation erwartet wird und welche Transformations- und Innovationskultur dafür erforderlich ist. Es wird somit die Ziel- Transformations- und Innovationskultur definiert, zum Beispiel welches Verhalten von den Führungskräften und Mitarbeitenden in Bezug auf Innovation erwartet wird.

Tipp 2: Kommunikation der Transformations- und Innovationsstrategie

Die Transformations- und Innovationsstrategie gibt die Richtung und den Rahmen vor. Die Erwartungen und Ziele bezüglich Innovation sollen allen Mitarbeitenden klar sein. Ein erster wichtiger Schritt ist daher die Kommunikation der Innovationsstrategie über alle Funktionen und Hierarchieebenen hinweg.

Tipp 3: Kaskadenworkshops zur aktiven Einbindung der Mitarbeitenden

Die Kommunikation der Transformations- und Innovationsstrategie schafft Aufmerksamkeit, ist aber sehr einseitig. Noch wichtiger sind der Dialog mit den Mitarbeitenden und ihre Einbindung.

Durch kaskadenartige Workshops zum Thema Innovation quer durch alle Funktionen und top-down durch alle Hierarchiestufen werden die Mitarbeitenden abgeholt. Gemeinsam werden, initiiert durch die Führungskraft,

  • Ziele definiert,
  • was Transformation und Innovation für ihren Bereich bedeutet,
  • welche Rolle sie im Prozess spielen und
  • was sie zum Erfolg beitragen können.

Im besten Fall entstehen daraus Leitbilder und Aktionspläne oder sie finden Eingang in Funktions- und Stellenbeschreibungen.

Tipp 4: Transformations- und Innovations-Crashkurse

Alle reden von Transformation und Innovation, aber oft können Mitarbeitende gar nicht erklären, was das für das Unternehmen und sie selbst bedeutet und welchen Beitrag sie leisten können. Um kreativ und innovativ zu sein, braucht es auch Informationen und Kompetenzen. Hier empfehlen sich breit angelegte Crashkurse zu Innovation, die vom Inhalt und Umfang her an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden angepasst sind. Beispielsweise hat ein Produktionsmitarbeiter andere Informationsbedürfnisse hinsichtlich Inhalt und Umfang als ein Gruppenleiter im Marketing. Inhalte von Crashkursen können z.B. sein:

  • Definition Transformation vs. Innovation,
  • Wie man zu Ideen kommt,
  • Wie und wo man eine Idee einreicht,
  • Was mit einer Idee passiert und was man selbst beitragen kann oder
  • Kreativitätstechniken.

Die optimale Länge sollte zwischen einer und drei Stunden sein und eine möglichst breite Masse erreichen und ansprechen.

Tipp 5:  Transformations- und Innovationstage

Ein jährlich stattfindender Innovationstag kann das Thema Innovation bspw. intensiv fokussieren und aktivieren. Alle Mitarbeitende sollten daran teilnehmen können. Mögliche Schwerpunkte und Inhalte können sein:

  • Vorstellung der neuesten Innovationen
  • Wort des Vorstandes zu Innovation
  • Tag der offenen Tür in der Innovationsabteilung
  • Hackathons und Ideenworkshops
  • Barcamps zu Innovationsthemen
  • Informationsveranstaltungen zu Innovation, z.B. Innovationsprozess, Innovationsmethoden
  • Preisverleihungen zu Innovation.

Der Innovationstag kann auch online durchgeführt werden. Dies empfiehlt sich vor allem bei international aktiven Unternehmen, weil man nicht alle Mitarbeitende an einem Ort versammeln kann. Ob offline oder online, ein notwendiger Erfolgsfaktor ist die Sichtbarkeit des Top-Managements.

Tipp 6: Kreativitätsworkshops

Neben der Information und Sensibilisierung zu Innovationen empfiehlt sich die direkte Einbindung der Mitarbeitenden in den Transformations- und Innovationsprozess in Form von Kreativitätsworkshops. Dabei arbeiten funktionsübergreifende Teams an Innovationsthemen und entwickeln neue Ideen und Lösungen. Wenn die Workshops gut moderiert und die Themen spannend sind, entsteht eine enorme Zugkraft, die Menschen für Innovation begeistert und mobilisiert. Wichtig ist natürlich auch, dass die Ideen nicht in der Schublade landen, sondern Wirkung zeigen, sonst verpufft jedes Engagement.

Tipp 7: Arbeitszeit für Transformation und  Innovation bereitstellen

Diese Maßnahme wirkt sich einerseits sehr stark auf die Transformations- und Innovationskultur aus, da sie von oben eindrucksvoll demonstriert, wie wichtig Innovation für das Unternehmen ist, andererseits mobilisiert sie ein enormes Innovationspotenzial. Definieren Sie feste Zeiträume für innovatives Denken. Stundenweise, tageweise oder an ausgewählten Wochenenden.

Tipp 8: Richten Sie ein Transformations- und Innovationslabor ein

Labore sind ausgelagerte Ideenschmieden. Sie sind vom Tagesgeschäft abgekoppelt. Dadurch werden die Ressourcen für Innovation nicht vom Tagesgeschäft aufgezehrt und durch die Distanz werden die üblichen Hindernisse und Denkbarrieren nach dem Motto „alles ist möglich und erlaubt“ abgebaut.
Transformations- und Innovationslabore können organisatorische Einheiten sein, aber auch ein physischer Ort, an dem jeder hingehen, die Infrastruktur nutzen und seine Kreativität entfalten kann. Dort stehen kreative Räume, Werkzeuge wie 3D-Drucker und Werkstätten für die Entwicklung von Ideen und Prototypen zur Verfügung. Sorgen Sie für räumliche Gegebenheiten, die Kreativität unterstützen. Etwa spezielle Tische, Räume oder Werkstätten, die optisch und mit ihrer Ausstattung signalisieren: „Hier darf kreuz und quer gedacht werden!“

Tipp 9: Fördern Sie eine Kultur der Weiterqualifizierung

Da Lernen und Innovation Hand in Hand gehen, fördert die Vermittlung neuer Möglichkeiten zur Erfüllung ihrer Aufgaben an die Mitarbeiter die Innovation. Das Konzept der Weiterqualifizierung beschreibt eine Kultur, die die Fähigkeiten und die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter entwickelt, indem sie ihnen das Wissen, die Fähigkeiten und die Einstellung vermittelt, die sie zur Verbesserung ihrer Arbeitsleistung benötigen. Definieren Sie die Schlüsselkompetenzen, die Mitarbeiter benötigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, erstellen Sie Schulungsprogramme und unterstützen Sie Mitarbeiter dabei, neben ihren regulären Aufgaben zu lernen.

Aus vielen Studien zu sogenannten „Future Skills“ haben wir sieben Fähigkeiten identifiziert, die  maßgeblich dafür sind, dass im ganzen Unternehmen Ideen gedeihen, die zu Transformationen und Innovationen führen können:

Selbststeuerungskompetenz

Selbststeuerung ist die Fähigkeit, das eigene Verhalten zu beobachten, zu bewerten, gezielt zu verstärken und flexibel an den eigenen Zielen auszurichten. Selbststeuerung wird immer dann notwendig, wenn innere Widerstände überwunden, Gewohnheiten aufgegeben oder tief verwurzelte Automatismen verändert werden sollen. Selbststeuerung beinhaltet auch die effiziente Selbstorganisation und Optimierung bestehender Praktiken und Prozesse (z.B. Zeitmanagement). Eine Person mit hoher Selbststeuerungskompetenz weiß, was in verschiedenen Situationen wie zu tun ist.

Lernkompetenz

Lernkompetenz ist der Wille und das Bemühen, persönliche Verhaltensweisen und berufliche Fähigkeiten durch verschiedene Wege der Aus- und Weiterbildung kontinuierlich zu verbessern und aus eigenen Erfahrungen zu lernen. Wir brauchen lebenslanges Lernen und Lernkompetenz, um mit den Veränderungen in der Welt Schritt zu halten und uns auf zukünftige, möglicherweise unbekannte Herausforderungen vorzubereiten. Lernkompetenz umfasst auch metakognitive Fähigkeiten wie Neugier.

Empathie

Das Verstehen der Emotionen anderer Menschen ist eine Schlüsselqualifikation in der Arbeitswelt. Empathie hilft bei der Interaktion in Teams und bei der Führung von Teams. Sie hilft, sich in die Lage der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu versetzen und gute Beziehungen aufzubauen. Empathie ist nicht nur in der Arbeitswelt wertvoll, auch für Innovatoren ist die Fähigkeit, sich in Stakeholder, Kunden und Nutzer hineinzuversetzen, von großer Bedeutung.

Teamarbeit

Die Zusammenarbeit in Teams in der neuen Arbeitswelt ist komplex und vielschichtig. Teams finden sich immer wieder neu zusammen und die Mitarbeiter nehmen in diesen Teams immer wieder unterschiedliche Rollen ein. Teamarbeit gibt es nicht von der Stange. Um einen Nutzen für das Unternehmen zu erzielen, braucht es neben Methodensicherheit auch Kollaborations- und Kommunikationskompetenz.

Kreativität

Alte Denkweisen zu hinterfragen und neue Ideen zu entwickeln, zeichnet diese Fähigkeit aus: Neue Ansätze für Produkte oder Dienstleistungen müssen her? Projekte mit kreativen Menschen sind dafür prädestiniert. Themen werden aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, der Blick über den Tellerrand wird gewagt - mit hoffentlich innovativen Lösungen als Ergebnis.

Kritisches Denken

Kritisches Denken ermöglicht Ihnen, Informationen zu analysieren und ein objektives Urteil zu fällen. Durch eine unvoreingenommene Bewertung der Fakten zu einem Sachverhalt können Sie realistische Schlussfolgerungen ziehen, die Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen. Der Prozess des kritischen Denkens umfasst typischerweise Schritte wie das Sammeln von Informationen und Daten, das Stellen durchdachter Fragen und die Analyse möglicher Lösungen.

Problemlösungskompetenz

Problemlösungskompetenz ist die individuelle Fähigkeit, schwierige Situationen zu verstehen und zu verändern, in denen die Lösung des Problems nicht offensichtlich ist. Sie beinhaltet die Bereitschaft, sich auf solche Situationen einzulassen und dabei das eigene konstruktive und reflektierende Potenzial zu aktivieren und weiterzuentwickeln. Konkrete Problemlösungsstrategien bieten Kreativitätstechniken wie Brainstorming und Mindmaps sowie spezielle Problemlösungstechniken für Gruppen wie das Stage-Gate-Modell (Cooper 1994), Design Thinking (Brown 2008) und Lean Startup (Ries 2014).

Tipp 10:  Ändern Sie die Belohnungs- und Messstruktur

Es gibt traditionelle Messungen, die erfordern, dass eine Person pünktlich zu Projekten ist, aber diese Messungen sind in einer Innovationskultur weniger aussagekräftig. Stattdessen messen Organisationen mit Innovationskultur den Erfolg, indem sie fragen, welchen Geschäftswert die Person geschaffen hat, wie nachhaltig dieser Wert war, welche neuen Ideen sie auf den Tisch gebracht hat und wie viele davon tatsächlich umgesetzt wurden.

Tipp 11: Implementieren Sie eine Holokratie

Eine Holokratie ist eine Governance-Struktur, die die Macht unter selbstorganisierenden Gruppen verteilt und nicht in einem typischen hierarchischen Unternehmenskulturmodell verankert ist. Durch die Bildung einer flachen Organisation entsteht ein völlig neues Beziehungsnetzwerk für Mitarbeiter über organisatorische Silos hinweg und soll dafür sorgen, dass die Dinge schneller und dynamischer ablaufen als in herkömmlichen Top-Down-Strukturen.

Tipp 12: Scheitern gehört dazu

Zum Scheitern kommt es, wenn Innovatoren nicht genügend Fragen stellen, wenn Konzepte nicht umsetzbar sind, wenn Pläne als zu kostspielig erachtet werden oder wenn Systeme abstürzen – aber das heißt nicht, dass Scheitern etwas Schlimmes ist. Misserfolg ist ein notwendiger Teil des Innovationsprozesses, denn aus Misserfolg entstehen Lernen, Iteration, Anpassung usw. Aufbau neuer konzeptioneller und physikalischer Modelle durch einen iterativen Lernprozess. Fast alle Innovationen sind das Ergebnis vorheriger Erkenntnisse aus Fehlern. Organisationen, die eine Innovationskultur fördern, müssen bereit sein, zu scheitern, um innovativ zu sein.

Jede Innovation geht mit dem Risiko des Scheiterns einher. Aufgabe von Führungskräften ist es allerdings nicht, Risiken zu verhindern, sondern das Scheitern zu entstigmatisieren. Ein Beispiel für eine gute Kultur des Scheiterns gibt der finnische Spieleentwickler Supercell: Dort werden Erfolge mit Bier und Misserfolge mit Champagner gefeiert. „Immer wenn wir feststellen, dass wir eine Zeit lang nicht gescheitert sind, ist dies ein Zeichen dafür, dass wir nicht genug Risiken eingegangen sind“, heißt es auf der Unternehmenswebsite.

Schaffen Sie Freiräume, in denen sich Mitarbeitende  ausprobieren können und auch Fehler machen dürfen: Kalkulierte Risiken werden eingegangen, Scheitern wird nicht als Makel angesehen.

Zusammenfassung

Die Unternehmenskultur umfasst die geschriebenen und ungeschriebenen Werte, Normen und Einstellungen in einer Organisation, die das Denken und Handeln der Mitarbeitenden beeinflussen. Und eine Transformations- und Innovationskultur ist ein Teil der Unternehmenskultur und bestimmt, wie sehr Transformationen von den Führungskräften und Mitarbeitenden mitgetragen und gefördert werden.
Transformations- und Innovationskulturen sind schwer zu etablieren und aufrechtzuerhalten, werden jedoch von vielen Experten als wesentlich für die Schaffung von Wettbewerbsdifferenzierung und Wettbewerbsvorteilen auf dem Markt angesehen. Ein weiterer Vorteil der Schaffung einer innovativen Kultur liegt in der Mitarbeiterbindung. Die Transformations- und Innovationskultur ist somit der Rahmen für jede Innovationsaktivität. Ist die Kultur nicht positiv ausgeprägt, kann sie Innovationen hindern, auch wenn die Idee und das Innovationsteam noch so perfekt sind. Sie bestimmt somit maßgeblich den Unternehmensserfolg mit.

Schlussfolgerung

Abschließend möchte ich Ihnen ans Herz legen, die Förderung von Transformations- und Innovationskultur in Ihrem Unternehmen nicht zu vernachlässigen. Die Fähigkeit Ideen zu entwickeln und Prozesse kontinuierlich zu verbessern sind entscheidende Erfolgsfaktoren in der heutigen, schnelllebigen Geschäftswelt. Durch eine offene und kreative Arbeitsumgebung können Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, ihr volles Potenzial auszuschöpfen und innovative Lösungsansätze zu finden. Nutzen Sie die Chancen, die sich Ihnen bieten, und setzen Sie neue Impulse für Ihren Erfolg! Wenn Ihnen dieser Blogbeitrag gefallen hat, laden wir Sie herzlich ein, mit uns in Kontakt zu treten, um noch mehr Inspiration und praktische Tipps für Ihr Unternehmen zu erhalten. Lassen Sie uns gemeinsam die Transformations- und Innovationskultur vorantreiben und somit den Weg zum Erfolg ebnen.

Über den Autor

Dr. Stefan Bleses

Ich bin Transformationsdesigner und Gründer von Motif Transformation Institute. Als Stratege, Berater und Veränderer bin ich davon überzeugt, dass ich dazu beitragen kann, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

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