Der Einfluss der künstlichen Intelligenz auf die Berufswelt

28.04.24

Entscheidend wird sein: Wer kann KI wertschöpfend einsetzen und wer nicht.

Nach der Lektüre dieses Artikels haben Sie ein umfassendes Verständnis davon, wie künstliche Intelligenz (KI) die Arbeitswelt beeinflusst. Sie werden auch verstehen, welche Auswirkungen KI auf Ihren eigenen Arbeitsplatz haben könnte. Lassen Sie sich von diesen Perspektiven inspirieren und bereiten Sie sich darauf vor, Ihre neuen beruflichen Chancen zu nutzen!

Einleitung

Generative KI und große Sprachmodelle basierend auf Fortschritten beim maschinellen Lernen und der Verarbeitung natürlicher Sprache stellen einen Paradigmenwechsel dar. Sie verändern die Art und Weise, wie wir mit Informationen interagieren und arbeiten. Diese Technologien können originelle Inhalte erstellen und große Datenmengen analysieren. Sie übersetzen Sprache fast genauso wie ein Mensch und treffen möglicherweise sogar komplexe Entscheidungen.
Die Vielseitigkeit und Effizienz dieser Technologien könnte tiefgreifende Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und die Zukunft der Arbeit haben.
Diese neuen KI-Technologien könnten in den kommenden Jahren einige Arbeitsplätze bedrohen. Allerdings gibt es auch gute Nachrichten: Die wachsende Popularität der KI könnte zur Schaffung völlig neuer Berufe für die Arbeitnehmer der Zukunft führen.

Der Future of Jobs Report 2023

Im „Future of Jobs Report 2023“ schreibt das World Economic Forum (WEF) dass sich in den kommenden Jahren 23 Prozent der weltweiten Arbeitsplätze verändern werden. Die generative KI wird hierbei eine Rolle spielen. Anders als oft angenommen, ersetzt KI nicht nur Jobs, sondern hat auch das Potenzial, Arbeit zu ergänzen und neue Jobs zu schaffen.

Tätigkeiten mit dem höchsten Potenzial für eine Automatisierung durch generative KI

Aufgaben mit hohem Automatisierungspotenzial sind oft routiniert. Beispiele hierfür sind administrative Tätigkeiten oder grundlegende Analyseaufgaben. Dazu gehören:

  • Administrative oder bürokratische Aufgaben
  • Datenbanken entwerfen
  • Daten analysieren, um Betriebsabläufe zu optimieren
  • Externe Angelegenheiten, Trends oder Ereignisse überwachen
  • Informationen über Waren oder Dienstleistungen einholen
  • Technische Entwürfe, verfahren oder Aktivivtäten dokumentieren

Tabelle 1 zeigt eine Übersicht der Jobs, die laut WEF das höchste Potenzial für eine Automatisierung durch generative KI aufweisen.

Tabelle 1: Jobs mit höchstem Potenzial für eine Automatisierung durch KI

Tätigkeiten mit dem höchsten Potenzial für eine Erweiterung durch generative KI

Zu den Aufgaben, die von der Künstlichen Intelligenz ergänzt werden, gehören:

  • Personalqualifikationen oder -leistung bewerten
  • Daten zu Verbraucherbedürfnissen oder -meinungen sammeln
  • Dokumente oder Materialien zur Arbeitsprozessinformation lesen
  • Patienten- oder Kundenzustand bzw. Behandlungsoptionen evaluieren
  • Informative oder instruktive Materialien erstellen
  • Leistung vom Computer- oder Informationssystemen testen

Tabelle 2 gibt eine Übersicht über Jobs mit dem höchsten Potenzial für eine Erweiterung durch generative KI.

Tabelle 2: Jobs mit dem höchsten Potenzial für eine Erweiterung durch generative KI

Branchen mit der geringsten Betroffenheit durch generative KI

Das WEF orakelt, dass Berufe, bei denen nicht sprachliche Aufgaben vordergründig sind, gering von den Auswirkungen der KI betroffen sind. Gemäß der Einschätzung des WEF zeigt Tabelle 3 die Branchen mit der geringsten Betroffenheit durch KI.

Tabelle 3: Branchen mit der geringsten Betroffenheit durch KI

Neue Jobs die von der KI geschaffen werden

Mit dem Aufkommen generativer KI werden Arbeitsweisen und Berufsprofile neu definiert. Es ist unklar, welche neuen Rollen mit der breiten Einführung von Sprachmodellen entstehen könnten. Dennoch lassen sich Schlüsselbereiche für die Berufsentwicklung identifizieren:

Job 1: KI-Modell und Prompt-Ingenieure

Ingenieure und Wissenschaftler werden weiterhin Sprachmodelle auf der detailliertesten Ebene der KI-Innovation verfeinern. Das betrifft Programmierer, die effizientere Algorithmen entwerfen, Elektroingenieure, die spezielle Chips für das Modelltraining entwickeln sowie, Systemadministratoren und Infrastrukturexperten.

Prompt-Ingenieure spielen eine Schlüsselrolle bei der Optimierung der Eingabeaufforderungen für Sprachmodelle. Bevor die generative KI ins Rampenlicht rückte, gab es diesen Beruf bisher nicht. Jetzt suchen Unternehmen händeringend nach Mitarbeitern, die die neuen Technologien optimal nutzen können.

Job 2: Interface- und Interaktionsdesigner

Sprachmodelle sind sehr technisch und erfordern gut gestaltete Benutzeroberflächen, um sie für ein breiteres Publikum zugänglicher und benutzerfreundlicher zu machen. In gewisser Weise können diese Designer als UX-Designer für Sprachmodelle betrachtet werden. Zu ihren Aufgaben könnte auch das Stage-Reinforcement-Lernen mit menschlichem Feedback gehören, bei dem die Modelle auf bevorzugte Antworten trainiert werden.

Job 3: KI-Inhalte-Ersteller (KI-Content-Creator)

KI-Inhalte-Ersteller nutzen das Wissen von Sprachmodellen, um schnell fundierte Inhalte in jedem Fachbereich zu produzieren. Die Ersteller bauen auf der Infrastruktur von Technologen und Interface-Designern auf. Das Spektrum reicht von Artikeln und Büchern bis zu Lehrmaterial und Filmhandlungen, inklusive der Generierung begleitender visueller und akustischer Medien.
Laut einer Umfrage des Marketingunternehmens „The Influencer Marketing Factory“ nutzen fast 95 Prozent der traditionellen Content Creators KI zur Unterstützung ihrer Arbeit. Dazu gehören auch Social-Media-Influencer, Blogger und Videofilmer. Die Umfrage wurde im Mai 2023 veröffentlicht.

Job 4: Datenkuratoren und -trainer

Umfangreiche Trainingsdatensätze sind für die Leistung von Sprachmodellen entscheidend. Die Qualität der Ausgangsdaten beeinflusst direkt die Qualität der LLM-Ausgabe. Deshalb ist ein Nachweis für Datenqualität und -integrität erforderlich.

KI-Tools wie ChatGPT werden mit endlosen Datenmengen aus Büchern, Artikeln und Websites trainiert. Die Qualität der Ergebnisse eines Chatbots hängt jedoch von der Qualität der Daten ab, die für sein Training verwendet werden. Datenverwalter und Trainer sind für die Verwaltung der Daten und die Bewertung ihrer Qualität verantwortlich.

Job 5: Spezialisten für Ethik und Governance

KI-Chatbots sind alles andere als perfekt. Laut einem Bericht des Weltwirtschaftsforums können sie voreingenommene, schädliche und unethische Inhalte produzieren – von Desinformation ganz zu schweigen. Kuratoren und Trainer sind teilweise dafür verantwortlich, negative Auswirkungen zu verringern. Ethik- und Governance-Experten wirken bei der Prüfung und Erprobung von KI-Tools mit, bevor diese für die Öffentlichkeit freigegeben werden.

Hoher Weiterbildungsbedarf bei KI-Themen

Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung e. V. (DGFP) befragte 319 Personalmanager (August 2023) zum Einsatz von KI in deutschen Unternehmen.

Es entstehen neue Jobprofile

Die meisten Personalmanager gehen davon aus, dass in den nächsten drei bis fünf Jahren neue Jobprofile entstehen, wenn generative KI eingesetzt wird. Dieser Aussage stimmten 94 Prozent der Befragten zu. Zudem sind sich 93 Prozent sicher, dass bestehende Berufsbilder verändert oder sogar ersetzt werden. Deswegen erwartet das Personalmanagement künftig unternehmensübergreifend KI-Skills. Dies gilt, insbesondere im IT-Bereich (78 %), Marketing und Kommunikation (69 %), Personalwesen (69 %) und Forschung und Entwicklung (63 %).

Betroffene Branchen

Die Befragten sehen weniger Bedarf an KI-Kenntnissen im Vertrieb (39 Prozent) und in der Finanzbranche (31 Prozent). 43 Prozent der Befragten planen, Mitarbeitende unmittelbar im Umgang mit (generativer) Künstlicher Intelligenz zu schulen. 13 Prozent planen dies für die Zukunft und weitere 24 Prozent ziehen es zumindest in Erwägung und prüfen noch. Ein Fünftel der Befragten kann sich neben der Weiterbildung der bestehenden Belegschaft auch ein Wachstum des Kollegiums vorstellen.

21 Prozent planen, Stellen wie „Head of AI“ oder „Prompt Engineer“ auszuschreiben. 19 Prozent prüfen diese Option.

KI-Boom: Unternehmen suchen Fachkräfte

Immer mehr Unternehmen in Deutschland möchten Fachkräfte mit KI-Expertise einstellen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass in bestimmten Bereichen ein hoher Bedarf an Fachkräften besteht. Die Studie wurde im Dezember 2023 für das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz durchgeführt.

Kernaussagen der Studie kurz und knapp zusammengefasst:

  • Zwischen 2019 und 2023 ist die Nachfrage nach KI-Experten um rund 50 Prozent gestiegen.
  • Die meisten Unternehmen suchen KI-Fachkräfte auf dem Gebiet von Big Data und Business Intelligence – rund 72 Prozent der Stellenanzeigen waren zuletzt in diesem Bereich ausgeschrieben.
  • Neben deutschen Bewerbern suchen vorwiegend international tätige Unternehmen auch nach ausländischen Fachkräften für ihre Standorte in und außerhalb Deutschlands.
  • Ein Drittel der KI-Experten wird in der Beratung gesucht. Knapp über 10 Prozent werden jeweils in der Forschung, Wissenschaft, Robotik und Fahrassistenz gesucht.
  • Neue KI-Experten werden seltener in der Bild- oder Sprachverarbeitung benötigt.

Es zeigt sich, dass die Suche nach KI-Fachkräften schwierig ist, da einige Jobangebote bereits mehrmals in der Vergangenheit veröffentlicht wurden. Besonders im IT-Bereich bleiben zahlreiche Stellen unbesetzt.

KI-Kompetenz

In der aktuellen Debatte um künstliche Intelligenz ist mir kürzlich ein Satz aufgefallen: „Wir benötigen eine KI-kompetente Gesellschaft.“ Dem kann man natürlich nur zustimmen. Doch es wirft sofort die Frage auf: Was ist eigentlich KI-Kompetenz? Was müssen wir dafür wissen und können? In einer der nächsten Blogfolgen werde ich auf diese Fragen eingehen.

Schlussfolgerung

Nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben, sind Sie nun bestens informiert über den Einfluss der künstlichen Intelligenz auf die Berufswelt. Sie haben ein umfangreiches Verständnis dafür entwickelt, welche Auswirkungen dies auf Ihren eigenen Arbeitsplatz haben könnte. Doch dieser Beitrag soll nicht das Ende Ihrer Reise sein! Lassen Sie sich von den neuen Perspektiven inspirieren und gehen Sie aktiv mit den Herausforderungen der digitalen Transformation um. Bleiben Sie am Ball, indem Sie regelmäßig unseren Blog besuchen, denn hier finden Sie weitere spannende Beiträge zu aktuellen Themen rund um künstliche Intelligenz und deren Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Sprechen Sie uns an, um mehr über dieses Thema zu erfahren. Nutzen Sie diese Chance zur Weiterbildung und seien Sie Vorreiter in Ihrem Bereich!

Über den Autor

Dr. Stefan Bleses

Ich bin Transformationsdesigner und Gründer von Motif Transformation Institute. Als Stratege, Berater und Veränderer bin ich davon überzeugt, dass ich dazu beitragen kann, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

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