Probleme lösen und innovieren mit Design Thinking

27.06.21

Anstatt zu denken, um zu bauen, bauen Sie um zu denken

Innovationen sind der Schlüssel zum Erfolg, aber sind sie planbar oder reiner Zufall? Wie kann man sicherstellen, dass neue Produkte am Markt tatsächlich erfolgreich sein werden? Die Antwort lautet: Design Thinking! Mit dieser Methode und einem strukturierten Prozess wird nutzerzentrierte Innovation systematisch möglich. In diesem Artikel erahren Sie, wie Sie durch Design Thinking erfolgreiche Innovationen schaffen können und welche Vorteile es bietet.

Was bedeutet Design Thinking?

Design Thinking konzentriert sich auf das Verständnis der Bedürfnisse von Menschen und auf die kreative Entdeckung von Lösungen, um diese Bedürfnisse zu erfüllen. Die Kernkonzepte des Design Thinking sind das Verstehen, das Erforschen, das Prototypisieren und die Evaluation.

Der Begriff Design Thinking wurde bekannt durch IDEO, eine internationale Design- und Innovationsberatung, und dessen CEO Tim Brown. Design Thinking beschränkt sich nicht nur auf Design, sondern kann auf alle möglichen Branchen und selbst persönliche Lebensziele angewandt werden.

Neuerdings setzen auch Karriereberater Design Thinking ein. Es soll helfen, das Projekt der Karriere- und Lebensplanung flexibler zu gestalten. Wichtig ist, dass Design Thinking dazu genutzt wird, dort Lösungen zu kreieren, wo sie gebraucht werden.

Der Zweck von Design Thinking

Innovativ sein

Innovation ist das Hauptziel von Design Thinking. Die Idee dahinter ist, dass Innovation nicht aus Ästhetik oder dem allgemeinen technischen Fortschritt entsteht: Wahre Innovation muss einem Zweck dienen und eine Lücke füllen, gegebenenfalls auch eine, der man sich zunächst nicht bewusst ist. Statt Innovation subjektiven Faktoren wie Glück oder gutem Geschmack zu überlassen, bietet Design Thinking Möglichkeiten, um Innovation messbar zu machen.

Sich auf die Nutzer konzentrieren

Auch wenn es offensichtlich scheinen mag, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen – schließlich ist der Sinn eines Designs, dass Menschen es benutzen – lassen sich Designer zu häufig von ihren eigenen Annahmen und vergangenen Erfahrungen leiten.

Probleme lösen

Design Thinking konzentriert sich darauf, Lösungen für bestimmte Probleme zu liefern. Dies setzt ein tiefes Verständnis von Problemen und ihren Ursachen voraus und geht in gewisser Weise auch darüber hinaus, was die Kunden selbst als Problem beschreiben. Design Thinking setzt stattdessen auf klare Beobachtung und kritische Analyse des Problems und darauf, wie Design als Lösung fungieren kann.

Produktion optimieren

Wie viele standardisierte Produktionsprozesse erhöht Design Thinking zudem durch klare, fokussierte Richtlinien die Effizienz. Es gibt Designern Schritte vor, die diese befolgen können, und zeigt, wie Erfolg bewertet werden kann. Dadurch können Designer „schneller scheitern“ und den Überarbeitungsprozess beschleunigen.

Der Design Thinking-Prozesses in fünf Schritten

Der Design Thinking-Prozess bietet eine Reihe zuverlässiger Schritte, denen Designer während ihres Projekts folgen können. Da Design Thinking auch eine Denkweise ist, sollte man es weniger als Anleitung und viel mehr als lose Richtlinie betrachten. Es gibt keinen richtigen Weg, um jeden Schritt auszuführen und jeder Schritt kann nach Bedarf wiederholt oder außerhalb der Reihenfolge durchgeführt werden.

Mitgefühl zeigen

Menschenzentriertes Design hängt von der Fähigkeit des Designers ab, Kunden zu beobachten und zu verstehen. Während Zielgruppenanalysen zum Standardrepertoire von Vermarktern gehört, sind Designer die Mediatoren zwischen Kunden und ihren Beschwerden. Ohne Einblick in beide Perspektiven tappt ein Designer im Dunkeln.

Wie bekommt ein Designer nun diesen Einblick?   Auch wenn Marktforschung grundlegende demografische Informationen liefern kann, müssen Designer Kunden in einer realen Umgebung beobachten, zum Beispiel bei einem aufgezeichneten Nutzertest und A/B-Tests. Noch besser sind offene Nutzertests, bei denen der Nutzer nicht weiß, dass er beobachtet wird, da diese zu ehrlicheren Ergebnissen führen können.
Nach der Beobachtung muss die Empathie folgen, bei der der Designer Emotionen nutzt, um zu interpretieren und verstehen zu können, was er sieht. Der Schlüssel zu Empathie ist die Abwesenheit von Voreingenommenheit – der Designer muss bei der Beobachtung eines Kunden seine eigenen Annahmen zurückstellen. Der Kontext kann hier hilfreich sein, um zu verstehen, wie Probleme in das tägliche Leben einer Person passen. UX-Designer verwenden oft User Personas, um Kunden als tatsächliche Personen außerhalb ihrer Beziehung zum Produkt zu identifizieren

Definition

Damit der Mensch im Mittelpunkt steht, muss Design Thinking das Ziel haben, echte Probleme realer Menschen zu lösen. Das bedeutet, dass ein Problem zuerst als klare und präzise Problemstellung definiert werden muss. Dies ermöglicht Designern ein greifbares Ziel und, Erfolg und Misserfolg zu bewerten.
Aber ein Problem zu definieren, kann an und für sich ein Problem sein. Die Probleme, denen Nutzer gegenüberstehen, sind häufig komplex und beinhalten andere Probleme, die gleichzeitig auftreten – mit anderen Worten: Symptome eines größeren Problems. Designer müssen über diese Symptome hinausgehen, um die zugrunde liegenden Ursachen zu finden.

Eine wichtige Technik dafür ist die „5-Why-Methode“, bei der ein Problem dargestellt und die Frage „Warum?“ mehrmals wiederholt wird, um heraus-zufinden, was schiefgelaufen ist.
Eine Problemstellung identifiziert die Grenze zwischen der aktuellen Realität und der idealen Zukunft. Eine Problemstellung muss nicht nur akkurat und anschaulich sein, sondern auch umsetzbar. Das bedeutet, die Schuld sollte nicht bei Faktoren liegen, die der Designer nicht kontrollieren kann, zum Beispiel, dass der Tag nicht genügend Stunden hat. Gleichzeitig müssen Designer es vermeiden, zu schnell zu einer Lösung kommen zu wollen. Die Versuchung ist groß, bereits in dieser Phase Ideen entwickeln zu wollen, durch die sich das Problem lösen lässt, aber voreilige Lösungen können das Verständnis für das Problem verwässern.

Ideenfindung

Die Ideenfindung ist die Phase, in der Sie/Ihr Team Lösungen für die Problemstellung entwickeln. Sie sollten sich so viele Möglichkeiten wie möglich überlegen, anstatt sich für ihre erste Idee zu entscheiden, die in der Regel die einfallslose ist. Es ist auch wichtig, dass Sie jede Idee dokumentieren, selbst die, bei denen Sie sich sicher sind, dass sie nicht funktionieren werden.Es gibt mehrere Techniken, um auf Ideen zu kommen. Zu den beliebtesten gehören Brainstorming in der Gruppe, das Erstellen einer Mindmap, Rollenspiele, Skizzieren und sogar das Erstellen einer einfachen Liste. Die Kunden selbst teilen in der Regel sehr gern ihre eigenen Lösungsvorschläge für mangelhafte Produkte in den sozialen Medien und Foren. Diese sind eine absolut legitime Quelle für die Ideenfindung.Sobald Sie ein paar gute Ideen haben, sollten Sie sie in „Ja“, „Nein“ und „Vielleicht“-Stapel aufteilen. Haben Sie ihre Ideen immer griffbereit, da Sie im nächsten Schritt möglicherweise Alternativen ausprobieren müssen.

Prototyp erstellen

Ein Prototyp ist eine schnell erstellte, auf das wesentlich beschränkte Testversion des fertigen Produkts. Die Prototyp-Phase können Sie als eine praktischere Version des vorherigen Schritts ansehen.
Wie bei der Ideenfindung sollten Sie mehrere Prototypen erstellen und das schnell, damit Sie über Optionen verfügen und herausfinden, ob ihre Ideen Hand und Fuß haben.

Prototypen sind wichtig, da sie es Ihnen ermöglichen, die Lösung zu entwerfen und zu sehen, wie sie funktioniert, ohne Zeit und Geld in die Entwicklung eines fertigen Produkts investieren zu müssen. Dies voreilig zu tun ist sehr wahrscheinlich Ressourcenverschwendung, da viele Ideen, die auf dem Papier gut klingen, in der Praxis nicht funktionieren.
Um einen Prototyp zu erstellen, können Sie eine Reihe von Hilfsmitteln nutzen, von Stift und Papier bis hin zu Software. Wichtig ist, dass Sie in möglichst kurzer Zeit eine ausreichend genaue Darstellung der Funktionsweise des Produkts erstellen können.

Testen

Beim Testen wird ihr Prototyp (oder in manchen Fällen ein fertiges Produkt) einem echten Nutzer präsentiert, um herauszufinden, wie gut Sie sein Problem gelöst haben. Diese Phase ist in vielerlei Hinsicht ein Mikrokosmos des gesamten Designs Thinking-Prozesses: Sie müssen Empathie aufbringen, während Sie die Testteilnehmer beobachten, die Probleme, denen sie begegnen, neu definieren, sich noch mehr Ideen und Prototypen und sogar noch mehr Lösungen überlegen - und erneut testen.

Außerdem müssen Sie aussagekräftiges Feedback sammeln. Mit „aussagekräftig“ meinen wir, dass Sie entscheiden müssen, ob das Feedback individuelle Vorlieben repräsentiert oder ein Problem, das viele Menschen teilen. Dazu müssen Sie die Tests mit vielen verschiedenen Personengruppen durchführen.

Beim Testen gibt es in der Regel einen Moderator, der die Tests anleitet und die Ergebnisse aufzeichnet. Übliche Nutzertests sind Fokusgruppen, Umfragen und Heat Maps. Ferner sind A/B-Tests eine hervorragende Möglichkeit, um leicht unterschiedliche Versionen ähnlicher Designs auszuprobieren und so zum bestmöglichen Ergebnis zu gelangen.

Design Thinking ist nur der Anfang von Innovationen

Design Thinking ist ein Prozess, um kreative Innovation zu schaffen, indem man sich auf die Bedürfnisse des Nutzers konzentriert. Aber Design Thinking allein bringt keine Innovation hervor. Letzten Endes ist es zwar ein Fahrplan, aber um das Ziel zu erreichen, kommt es vor allem auf den Designer an. Es handelt sich weniger um eine klare Anleitung und vielmehr um einen fortlaufenden Prozess, der Übung, Wiederholung und Hingabe erfordert. Wenn Sie wirklich engagiert daran arbeiten, ein tolles Produkt zu entwickeln, werden Sie Design Thinking benötigen.

Entscheidend ist der erste Schritt: Verstehen, was die Menschen wollen

Ein Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen zu entwickeln, ist ein entscheidender Schritt: Design Thinking bedeutet, dass Sie empathisch sein müssen. Sie müssen sich von Anfang an konsequent in die Lage ihres Kunden versetzen. Was genau braucht er? Wozu? Wie, wann und wo wird er das Produkt einsetzen? Diese Fragen ziehen sich durch den gesamten Design-Thinking-Prozess. Anhand der Antworten entwickeln Sie Prototypen, die Sie unter realen Bedingungen, mit echten Kunden, testen. Auf dieser Grundlage stellen Sie ihre Fragen erneut, formulieren fein körnigere Antworten und entwickeln bessere Prototypen. Zusätzlich setzen viele Organisationen auf einen multiperspektivischen Ansatz: Sie setzen auf interdisziplinäre Teams. Der Gedanke dahinter ist, dass Interdisziplinarität im Entwicklungsprozess für mehr Kreativität sorgt. Design Thinking setzt also auf eine kunden- bzw. nutzerorientierte Entwicklung und Gestaltung des Produkts, auf interdisziplinäre Teams, auf inkrementelles und iteratives Vorgehen und auf Tests unter möglichst realen Bedingungen. Design Thinking setzt außerdem gern auf Visualisierungen oder Narrationen. Beliebt ist unter anderem das Customer Journey Mapping, also die Entwicklung einer prototypischen Kundenstory: Wer ist mein Kunde? Was treibt ihn an? Was will er? Wann, wie und wo trifft er auf mein Produkt? Welche Fragen hat er?

Schlussfolgerung

Innovation und Problemlösung sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Zukunft. Mit Design Thinking können wir diese Fähigkeiten entwickeln und unsere Visionen in die Realität umsetzen. Wir haben gelernt, dass Design Thinking ein kreativer Prozess ist, der auf Empathie, Zusammenarbeit und Experimentieren basiert. Es ermöglicht uns, Herausforderungen zu meistern und nachhaltige Veränderungen zu schaffen. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Sie Design Thinking nutzen können, um ihre Ziele zu erreichen, dann kontaktieren Sie uns!

Über den Autor

Dr. Stefan Bleses

Ich bin Transformationsdesigner und Gründer von Motif Transformation Institute. Als Stratege, Berater und Veränderer bin ich davon überzeugt, dass ich dazu beitragen kann, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

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